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Diese Geschichte handelt von der jungen Caitriona, einem sanftmütigen Mädchen, das von ihrem strengen Vater und ihrem Bruder tyrannisiert und gleichzeitig geschützt gehalten wird, wie ein kostbares Gut. Ihr Vater will sie natürlich vielversprechend verheiraten und so fällt die Wahl des Bräutigams auf den Kronprinzen ihres Landes, was die junge Frau erst einmal mehr schockiert, als die Tatsache, dass sie überhaupt verheiratet werden soll. Bei einem Ausritt erfahren ihr Zukünftiger und dessen treuer Diener mehr über die Verhältnisse in ihrem Heim, als es Caitriona und wohl auch den Männern lieb sein kann.

Still wie eine Statue stand Caitriona auf dem Wehrgang, sie hatte die Augen geschlossen und ließ den Wind die feinen Flocken von Schnee in ihr Gesicht tragen. Die Luft war so rein und frisch, als könnte kein Übel sie trüben.
Es war eiskalt, doch Caitriona bemerkte es nicht, auch wenn der kalte Wind auf ihren Wangen ein prickelndes Gefühl hinterließ, sie genoss die Ruhe und Einsamkeit hier draußen. Sie wusste, dass es nicht lange anhalten würde, das tat es nie. Sie hatte ihre morgendlichen Pflichten bereits alle erfüllt, aber ihr Vater würde wie immer etwas daran auszusetzen haben und wenn nicht er, dann zumindest ihr Bruder Duncan.
„CATRIONA!“
Die junge Frau zuckte leicht zusammen und zog die dünne Decke, die sie sich rasch über ihre schmalen Schultern gezogen hatte, etwas mehr um sich. Der Ruf war schneller gekommen, als sie gehofft hatte. Ihre Gestalt straffte sich leicht und sie ging gehorsam wieder ins Innere der Burg. Ihren Vater warten zu lassen käme dem Wahnsinn gleich.
So rasch wie es sich gerade noch geziemte betrat sie den großen Saal und ging zu dem Tisch, der am Ende in der Nähe des Kamins stand. Es war ein gewaltiges Ungetüm aus Holz, welches von einer Person niemals bewegt werden konnte. Der Tisch bot einer ganzen Festgesellschaft platz, doch im Moment saßen nur ihr Vater und ihr Bruder vor dem reichhaltigen Frühstück, dass ihrer Meinung nach ein ganzes Dorf hätte versorgen können. Es kam einer Verschwendung gleich, so etwas für zwei Personen aufzutischen, aber Cait würde sich hüten dies auszusprechen.
„Hier bin ich, Vater, Ihr habt nach mir gerufen“, sagte sie leise und senkte ihren Blick gehorsam um ein Stückchen. Sie hatte es sich angewöhnt gerade noch so laut zu reden, dass man es so eben noch verstand. Es erhöhte die Chance, dass man sie überhörte und sie gar nicht erst auffiel.
„Wo warst du solange“, fragte der Duke of Kent verärgert und musterte seine Tochter durchdringend.
„Ich war draußen, Vater...“, begann Cait rasch zu erklären, doch sie wurde mit einer barschen Handbewegung wieder zum Schweigen gebracht. Duncan lachte, es war ein hämisches Lachen, das von mehr als Schadenfreude sprach, und Cait senkte erneut ihren Blick noch weiter, es war nicht klug, den Unmut ihres Vaters heraufzubeschwören, auch wenn es dazu schon zu spät war.
„Wir erwarten Gäste“, sein Blick maß sie prüfend. „Zieh dich um, in diesen Lumpen kannst du deinen zukünftigen Gatten kaum begrüßen.“
Caitriona spürte ihr wie sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich. Ihr zukünftiger Gatte? Niemals zuvor hatte er so etwas anklingen lassen, auch wenn es natürlich unvermeidbar war, dass er sie vermählen würde. Aber sie hatte nicht damit gerechnet, noch nicht. Auch wenn er sie verabscheute würde er alles daran setzen, sie Standesgemäß zu vermählen und seine Ansprüche waren nicht gering. Dass es so plötzlich kam, konnte nur das schlimmste für sie bedeuten. Wie sie den Duke kannte, war es schon lange festgesetzt und noch länger geplant. Aber warum hatte sie nicht einmal Andeutungen darüber gehört, ihr Duncan neigte doch sonst zur Geschwätzigkeit, vor allem wenn er wusste, dass ihr die Dinge nicht behagten.
Entsetzt hob sie den Blick, darauf hoffend, dass ihr Vater einen Scherz gemacht hatte. Doch bei so etwas neigte er nicht zu scherzen und sein Blick sprach eine deutliche Sprache. Er erwartete von ihr sicherlich keine Freude, ganz im Gegenteil schien es ihm durchaus zu gefallen, wenn er sie zu Dingen nötigte die ihr nicht behagten, aber wenn er etwas von seinen Kindern verlangte, dann war es gehorsam. Wahrscheinlich hätte sie sich sofort auf seinen Befehl hin entfernen müssen, stattdessen senkte sie eiligst wieder den Blick.
„Wie ihr befehlt, Vater“, antwortete sie heiser und konnte das Zittern in ihrer Stimme kaum unterdrücken. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wen er ihr als Zukünftigen ausgewählt hatte, vor allem wenn sie wieder einmal an die hochgestochenen Pläne ihres Vaters dachte, aber konnte es schlimmer als ihre eigene Familie sein?
„Duncan, du wirst mit ihr gehen und zusehen, dass sie sich beeilt“, hörte sie erneut die barsche Stimme des Dukes, die sie Schlucken ließ. Sie hörte Duncan leise murren, aber er schien zu gehorchen. „Mach ihr Beine, wenn sie trödelt.“
„Sicher, Vater“ Duncan klang sogar ein wenig begeistert, was Cait wieder das Blut in den Adern gefrieren ließ. Auf Duncans Beine machen, konnte sie mit Freunden verzichten.
Rasch, fast schon ein wenig zu hastig, wandte sie sich wieder um und ging in die Richtung ihrer Gemächer, ihren älteren Bruder dicht auf den Fersen. Sie betete nur, dass Marlies, ihre Zofe, dort bereits dort war, denn ansonsten würde sie es niemals schnell genug schaffen sich umzuziehen, um es den beiden Männern auch nur annähernd recht zu machen. Doch wie sie das Mädchen kannte, hatte sie sicherlich gelauscht oder war von ihrer Amme schon längst hinauf gescheucht worden. Warum ihr Vater ihr eine Zofe zugestand, hatte sie bisher nicht in Erfahrung bringen können, denn von Standes und Alters her wäre dies nicht nötig gewesen. Vielleicht wieder nur ein Schachzug, um sich nach außen hin großzügiger und freundlicher seinen Kindern gegenüber zu geben als er war.
Als sie die Tür öffnen wollte, wurde sie ohne Vorwarnung aus ihren Gedanken gerissen, als Duncan sie am Handgelenk packte und sie zu sich herumzog, um ihr ohne Vorwarnung eine Ohrfeige zu geben. Nur ihre Selbstbeherrschung hielt sie davon ab ihn vollkommen fassungslos anzusehen.
„Nur zur Erinnerung, dass du dich beeilen sollst“, erklärte er grinsend und wohl eher um sich seines Ärgers zu entledigen, dass er wie ein Dienstbote mit ihr mitgeschickt worden war.
Cait funkelte ihn nun allerdings doch wütend an und riss sich von ihm los. Einen Kommentar ersparte sie sich jedoch und verschwand rasch in ihrer Kammer. Zu oft schon hatte Duncan es geschafft sie mit so etwas zu reizen, nur um eine Rechtfertigung zu haben, ihr die nötigen Manieren beibringen zu können. Aber sie würde sich hüten auch nur den Mund aufzumachen, sie kannte ihn zu gut, als dass sie ihm diesen Grund liefern würden. Es würde ihn nur seinen widerlichen Hang zur Sadismus ausleben lassen und ihr selbst noch einmal Ärger mit ihrem Vater einbringen, da sie sich weder benommen noch beeilt hatte.
*
Abschnitt 1
„Marlies?“ Noch während sie nach dem Mädchen rief, begann sie sich schon das Kleid abzustreifen, dass sie tagsüber bei der Arbeit zu tragen pflegte. Sie besaß nur weniger die dieser Arbeitskleider und die meisten waren schon so zerschlissen, dass sie nur noch für die dreckigsten Arbeiten trug, da nicht einmal ihr Vater so etwas dulden würde. Die meisten Kleider, die sie besaß waren aus feinen und teuren Stoffen, die weniger für sie waren, als um der Geltungssucht ihres Vaters zu entsprechen. Er war jemand und wenn er zu einer Gesellschaft lud oder geladen, sollte es keine Zweifel daran geben, dass er kein armer Mann war und seine Frau oder in diesem Fall seine Tochter, gut einzukleiden. Hätte sie allerdings auch nur einmal gewagt, eines der Kleider bei ihrem Tageswerk anzuziehen, wäre der Ärger wohl kaum zu ermessen gewesen.
Zu ihrer Erleichterung tauchte kurz nach ihrem Ruf Marlies Kopf aus dem Nebenzimmer auf, was sie aufatmen ließ. Ohne ihre Zofe würde sie niemals rechtzeitig fertig werden.
„Marlies, hol schnell das blaue Kleid aus dem Schrank“, sagte sie fast schon überhastet und legte ihr Arbeitskleid beiseite. Marlies sah sie verwundert an, das Mädchen war kaum älter als 14, aber sie war Caitrionas größte verbündete neben ihrer Nana, der alten Hauswirtschafterin und Caits Amme. Anscheinend war sie nicht in der Nähe der Halle oder in den Räumen des Gesindes gewesen, denn ansonsten hätte sie wohl gewusst worum es ginge.
„Das Ballkleid?“ fragte sie daher erstaunt, gehorchte aber sofort. Ihre Lady würde so etwas nicht ohne Grund sagen.
Während das Mädchen das Kleid holte, bemühte sich Cait um ihre Haare, die sie bisher nur lose zusammengebunden hatte. Doch vor Gästen wäre es nicht tragbar. Einen Moment lang spielte sie mit dem Gedanken die Haare offen zu lassen, doch sie wusste, wie sehr ihr Vater dies hasste, so dass sie sie rasch zu einem Zopf flocht. Es war das Angemessenste, was sie in dieser kurzen Zeit zustande brachte.
Ohne Worte war Marlies mittlerweile zu ihr getreten und hielt ihr das Kleid hin, was sie bereits aufgeschnürt hatte, um Cait ein schnelleres anziehen zu ermöglichen. Das Kleid war ein vermögen wert, wenn sie ihrem Vater trauen durfte, dann war es aus ägyptischer Baumwolle gefertigt und somit wohl der Garderobe einer Königin gerecht wurde. Sie hatte es bis zum heutigen Tage noch nie gewagt anzuziehen, aber ihr Vater würde an diesem Tag weniger als das Beste als zu gering erachten.
Kaum hatte sie es sich übergestreift, begann Marlies auch schon es zuzuschnüren. Nur selten musste sie ihr beim Ankleiden helfen, denn Cait bevorzugte es sich alleine anzuziehen, doch dieses Mal hätte sie es alleine nicht bewältigen können.
„Wenn du nicht in 10 Sekunden draußen bist, dann komme ich dich holen“, brüllte Duncan von draußen und donnerte gegen die Tür, als würde er sie einschlagen wollen. Cait atmete tief durch, sollte sie darauf nun etwas erwidern? Es wäre besser, wenn sie es sein ließe, dennoch konnte sie sich nun eine Antwort nicht mehr verkneifen.
„Ein Kleid schnüren geht nicht so schnell wie eine Hose zu wechseln, Duncan“, rief sie also bissig zurück. Sie wusste, dass es ein Fehler gewesen war, doch auch sie konnte nicht immer alles hinunterschlucken, vor allem ihrem Bruder gegenüber nicht.
Zum Glück kannte sie ihn gut genug um zu wissen, dass er seinen Zorn zügeln würde, bis sie ihre Kammer verließ. Auch wenn ihr Vater wünschte, dass es schnell ginge, würde er nicht hinein kommen und ihr Beine machen. Er hatte es nur ein einziges Mal gewagt diese ungefragt zu betreten und dies während sie kaum mehr trug als ein dünnes Unterkleid. Damals schien es ihm nicht bewusst zu sein, dass das was er getan hatte, mehr als schändlich war. Rasch hatte sie sich in ihr Bettlaken gewickelt und ihn
angeschrien, dass er verschwinden sollte.
Sie kann sich noch zu gut an das wutentbrannte Gesicht ihres Vaters erinnern, der zuerst, wie sooft, in ihr die Schuldige suchte, als er durch das Geschrei zum Ort des Geschehens geholt worden war. Doch so schnell er die Situation erfasste, so schnell traf seine Wut auf Duncan. Er hatte ihn für dieses Vergehen auspeitschen lassen, um ihn zu lehren, so etwas niemals wieder zu tun. So wenig er mit seiner Tochter auch zurecht kam, würde der Duke niemals die ungeschriebenen Regeln der Etikette übertreten. Wenn man von ihm etwas behaupten konnte, dann war es, dass er ein durch und durch korrekter Mensch war, was die Gesellschaftlichen Regeln anging.
Von diesem Tag an hatte Duncan nicht mehr versucht auch nur einen Fuß in ihre Kammer zu setzen und sie würde ihn sicherlich auch nicht dazu auffordern es zu tun.
Schließlich hatte Marlies es geschafft das Kleid zu schnüren, auch wenn es ein fast schon beängstigendes Gefühl war. Es war als würde man in diesen Kleidern erstickt werden, so dass sie sich fragte, ob Marlies ihr etwas antun wollte. Doch das Mädchen beteuerte ihr immer wieder, dass sie es so locker geschnürt hatte, wie es gerade noch möglich war, ohne aus dem Kleid ein unförmiges Ding werden zu lassen. Keines ihrer Kleider war so eng geschnitten und Cait fragte sich ob sie nicht doch lieber ein anderes hätte wählen sollen. Doch für solcherlei Überlegungen war es nun schon zu spät. Sie hatte nun keine zeit mehr, sich noch einmal umzuziehen und sie wollte weder die Geduld ihres Vaters noch ihres Bruder zu sehr strapazieren.
*
Abschnitt 2
Duncan starrte Zorn entbrannt vor der Tür, wenn dieses Weibsbild es jemals wagte dort wieder herauszukommen, würde er ihr den frechen Ton erst einmal abgewöhnen. Und zwar sofort. Er hatte noch nie sonderlich viel Geduld für ihr Verhalten an den Tag gelegt. So manches Mal fragte er sich wahrlich, wieso sein Vater ihr dies einfach so durchgehen ließ. Hätte Cait die Gedanken ihres Bruders lesen können, hätte sie ihm wohl deutlich widersprochen, da es ihr mehr so vorkam, als würde der Duke jede Nichtigkeit an ihr bemängeln.
Doch Duncan war nie der hellste gewesen, auch wenn er dem sicherlich niemals zugestimmt hätte. Er war kein hässlicher Mann, ganz im Gegenteil täuschte sein Aussehen oft über seinen liederlichen Charakter hinweg. Man konnte ihn kaum als Schönling bezeichnen, dennoch waren seine Gesichtszüge eben und fein, seine Gestalt hochgewachsen und muskulös, ohne dass es
zu viel wirkte. Mit seinem Lächeln konnte er jede Dame bezaubern, wenn er denn wollte, doch meistens trug er eine grimmige Miene zur schau und sein Augenmerk ruhte auf seiner Schwester.
Wenn die Menschen nur ahnen könnten, was für ein widerlicher Charakter hinter dieser schönen Fassade lag, würden sie ihm anders begegnen, doch Duncan wusste sich mit einer Straßenschläue zu verkaufen, die viele in ihren Bann zog. Selbst wenn Caitriona über ihren Bruder berichtet hätte, würden ein Lächeln und weniger Worte seinerseits diese Lügen strafen, selbst wenn sie noch so sehr der Wahrheit entsprachen.
Für Duncan dauerte es eine halbe Ewigkeit bis sich die Tür dann schließlich öffnete. Das was er sah ließ ihn kurz stutzen. Er hatte sie schon so oft gesehen, aber diese Facette an seiner Schwester war ihm fremd. Für einen Moment lang schien sie ihm auch wie eine Fremde zu sein. Wenn sie nicht seine Schwester wäre, dann …
Doch er verbannte diesen Gedanken so rasch wie er gekommen war, sein Vater würde weder den Gedanken noch das Verhalten, dass daraus resultieren würde jemals dulden. Und alleine die Tatsache, dass Caitriona diesen in ihm geweckt hatte, machte ihn wütend.
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Abschnitt 3
So tief wie ihr es gerade noch möglich war, atmete Caitriona durch und verließ ihre Kammer. Sie hatte sich beeilt soweit es ihr möglich war, doch sie wusste, dass dieses nicht genügen würde. Es genügte nie. Kaum hatte sie einen Schritt hinaus getan, wurde ihr auch gleich wieder der Atem geraubt, den sie sich so mühevoll erkämpft hatte. Sie hätte es wissen müssen, nein, sie hatte es
gewusst, aber sie hatte den Gedanken verdrängt. Duncan wusste nur allzu gut, wo er hinlangen musste, um mit kleinsten Aufwand den größtmöglichen Erfolg zu haben. Er hatte jahrelange Übung wie sie ihm bitter zugestehen musste.
„Wenn wir nicht Gäste erwarten würden, könntest du dich nun auf etwas gefasst machen“, zischte er ihr zu und wandte sich zum gehen. „Jetzt komm.“
Cait konnte immer noch kaum atmen, trotzdem versuchte sie Haltung zu bewahren. Zu ihrem Glück war Duncan ebenso impulsiv wie brutal, er würde es bei dieser Aktion belassen und nicht noch eine spätere Rache hinzufügen. Nein, er würde einen neuen Grund finden, der wohl ebenso nichtig wäre. Doch seit wann interessierten Duncan, ob die Gründe gut oder schlecht waren, oftmals brauchte er nicht einmal einen.
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Abschnitt 4 Gehorsam war Cait ihrem Bruder hinunter in den Saal gefolgt. Ihr Vater musterte sie durchdringend kaum das sie diesen betreten hatte, nickte dann aber recht zufrieden. Sie wollte wirklich nicht wissen, welche Absprachen er gemacht hatte, wenn ihm diese Kleidung wohl gerade gut genug erschien. Sie wollte nicht hier sein, es gab so viel, was sie hätte tun können und alles davon war weit weg von dieser Halle und ihren Verwandte.
„Wenn dein zukünftiger Gemahl hier eintrifft, wirst du dich benehmen. Wag es nicht deiner Familie in irgendeiner Art und Weise Schande zu bringen“, wies der Duke sie nun zurecht. Cait hatte artig den Blick gesenkt und lauschte scheinbar reuig und sittsam, war innerlich aber aufgebracht. Glaubte er wirklich sie hätte keine Manieren und würde ihm irgendeinen Grund geben sie dafür zu züchtigen. Sie war in seinen Augen vielleicht manchmal etwas aufsässig, aber sie war nicht dumm. Sie wusste was man von ihr erwartete und wie sie sich zu benehmen hatte und sie würde ihrem Vater keinen Grund liefern sie zu bestrafen.
„Du hältst den Blick gesenkt, wag es ihm ja nicht in die Augen zusehen.“ Der Stimme ihres Vaters klang wie so oft ein unheilvoller Unterton nach, Cait schauderte und nickte wie es von ihr erwartet wurde. „Wenn dich jemand direkt ansprichst, dann antworte respektvoll wie man es von dir erwartet. Und plappere nicht.“
Cait hatte Mühe nicht die Augen zu verdrehen, warum sagte er nicht gleich, dass sie die Klappe zu halten hatte und möglichst dekorativ nicht im Weg stehen sollte. Sie konnte nur hoffen, dass der Mann kein großes Interesse an ihr hegte, wenn sie sowieso nichts sagen sollte.
Sie nickte nicht einmal mehr, sondern hielt den Blick einfach nur gesenkt und ließ die Tirade einfach über sich ergehen. Es schien eine ständige Wiederholung derselben Worte zu sein und irgendwann hörte sie ihm nicht mehr zu, sondern ließ ihr nur noch reden. Sie wusste was er von ihr verlangte und würde sich daran auch halten. Seine Reden kannte sie nur zu genüge, so dass sie diesen nicht mehr lauschen brauchte. Ruhig sein, nur antworten wenn sie gefragt wurde und auch dann nur so knapp wie es möglich war ohne unhöflich zu wirken, auch wenn sie sich damit wie ein dummes Ding darstellte. Keinen der Männer in die Augen blicken und auch keine Bediensteten zur Ordnung rufen, wie es eigentlich ihre Pflicht war.
„Caitriona!“ Erschrocken sah sie auf, als die flache Hand ihres Vaters sie ins Gesicht traf. Sein wütender Blick traf sie, dass es sie mühe kostete nicht vor ihm zurückzuschrecken. Er hatte wohl etwas gefragt und sie war so in Gedanken gewesen, dass sie ihm nicht zugehört hatte. „Hörst du mir überhaupt noch zu“, knurrte er wütend.
„Ja, Vater“, erwiderte sie tonlos.
„Was habe ich grad gesagt?“ Seine Stimme klang fast lauernd, sie konnte nur Raten und hoffen das sie die richtige Antwort fand, was allerdings so gut wie unmöglich war.
„Das ich mich benehmen und kein Wort verlauten lassen soll, es sei denn ich werde gefragt“, sagte sie schließlich nach einigem Zögern.
Der Duke funkelte sie an und Duncan grinste. Nein, das hatte er wohl nicht gesagt. Unschlüssig sah sie zu ihrem Vater, sie würde damit nur durchkommen, wenn die Gäste in diesem Moment die Halle betreten würden.
Aber das taten sie nicht. Cait atmete tief durch und schaut zu ihrem Vater, wobei sie den Blick allerdings demütig gesenkt hielt. Sie wollte keine Tracht Prügel riskieren.
„Deine Hände“, knurrte er schließlich. Cait ballte die Hände zu Fäusten, am liebsten wäre sie nun aus der Halle gerannt. Aber der Ärger den sie damit auf sich beschwor wäre noch größer und die Strafe sicherlich schlimmer. „Caitriona, ich warte.“
Nur zögern gehorchte sie und streckte ihre Hände aus mit der Handfläche nach oben. Duncan verzog spöttisch das Gesicht, Cait war sich sicher das er nun zu gerne mit seinem Vater getauscht hätte.
„Andersrum“, erklang der barsche Befehl, Cait zögerte nur kurz. Sie wollte ihre Situation wirklich nicht verschlimmern. „Ich sagte, dass die Gäste bereits in Sichtweite der Burg sind.“
Cait zitterte leicht und nickte, während Duncan ihrem Vater mit seinem überheblichen Grinsen einen fingerdicken Stock reichte. Mittlerweile hielt sie wirklich nichts mehr hier, als die Aussicht, dass sie es nur schlimmer machen würde.
Mit dem Bewusstsein zu wissen was nun folgen würde, spannte Cait sich leicht an und wartete. Der erste Schlag folgte auch kurz darauf und die junge Frau biss sich auf die Lippe, um nicht das Gesicht zu verziehen oder einen Laut von sich zu geben. Diese Blöße würde sie ihrem Bruder niemals gönnen, dass hatte sie sich geschworen, vor allem weil sie wusste wie viel Spaß es ihm machen würde.
Stumm zählte sie mit, währe ihre Hände wie Feuer brannten. Wie würde ihr Vater das erklären wollen, so wie sie ihn kannte gar nicht. Nach dem zehnten Schlag stoppte der Duke wie es zu erwartet war.
„Das reicht ... vorerst“, knurrte er. „Es wird dich lehren nicht noch einmal den Worten deines Vaters nicht zu lauschen. Und nun schick deine unnütze Zofe, dass sie dir Handschuhe holen soll.“
„Ja Vater“, sagte Cait heiser und ging so rasch sie es sich wagen konnte aus der Halle, wo Nana, ihre Amme sie schon in die Arme schloss.
„Ach Caiti, was musst du ihn auch immer so reizen“, sagte die alte Frau und strich ihr über die Wange. Sie wusste genauso gut wie Cait, dass er keinen besonderen Grund brauchte um etwas zu tun. Der Duke war fest davon überzeugt, dass sie ein verzogenes Kind war und dieser Art der Erziehung dringend bedurfte. „Lass mal sehen, Caiti, Marlies, hol die dünnen weißen Handschuhe aus ihrer Kammer.“
Marlies rannte sofort los und Nana hielt Caits Hände hoch, die ganz rot waren. An den Knöcheln war stellenweise auch die Haut aufgeplatzt und blutete leicht. Spätestens in einer halben Stunde wären die Stellen rundherum bläulich verfärbt. Cait betrachtete ihre Hände ganz ruhig, als wäre es nichts besonders.
Die alte Hauswirtschafterin betrachtete ihren Schützling mitleidig, wenn sie keine Gäste erwarten würden, dann hätte sie das vernünftig versorgen können. Ein paar kühlende Umschläge, heilende Salben. Aber dazu war keine Zeit mehr, wie immer schien Cait alles mit stoischer Gelassenheit zu ertragen. Nana wäre es um einiges lieber gewesen, wenn sie irgendwelche Diener malträtieren würden, statt immer nur auf dem Mädchen herum zu hacken. Doch das würde wohl nie geschehen. Der Duke gab ihr die Schuld am Tod ihrer Mutter und würde ihr das niemals verzeihen, was Duncan betraf, er war schon immer ein grausamer Kerl gewesen schon als kleiner Junge. Seine Schwester war ein hervorragendes Ziel, zum einen konnte man ihr immer die Schuld für alles geben und für ihren angeblichen Ungehorsam bestrafen.
Nana hoffte nur, dass der Ehemann, den der Duke für ihre kleine Caiti gewählt hatte, sah was er für ein Juwel er bekommen würde und es auch dementsprechend behandeln. Doch sie zweifelte wirklich daran, dass der Duke so jemanden nehmen würde, außer er hätte genug macht und Einfluss im Königreich.
Marlies kam gerade rechtzeitig mit den Handschuhen zurück, als der Duke auch schon wieder nach Cait rief, da die Gäste bereits in den Hof eingeritten waren. Rasch streifte sie sich die Handschuhe über auch wenn der Stoff an den Wunden stellen scheuerte und brannte.
„Danke Marlies“, sagte sie leise und lächelte ihrer Nana aufmunternd zu ehe sie zurück in die Halle ging. Duncan war nicht anwesend, er sollte wohl die Gäste in die Halle geleiten.
„Benimm dich“, zischte der Duke ihr noch einmal zu und sie senkte ein Seufzen unterdrückend den Kopf. Sie hoffte nur sie wäre in der Lage wirklich so lange still auszuharren, bis alle vorüber war.
*
Abschnitt 5
Cait hatte sich gehorsam wie es ihr befohlen worden war im Hintergrund gehalten, als ihr Vater die Gäste begrüßt hatte. Er war sehr respektvoll gewesen und hatte fast schon unterwürfig
geklungen, aber Cait hatte sich darauf beschränkt möglichst unauffällig zu sein und nicht zuzuhören. Es war ein Teil der Vereinbarung, dekorativ sein hieß auch nichts zu wissen und mitzubekommen.
Sie hatte es nur einmal kurz gewagt den Blick zu heben, um wenigstens zu sehen an wen sie für die besten Konditionen weggegeben wurde. Für sie hatte es etwas von Pferdemarkt, wer bekam die beste Stute in den Stall. Zumindest hatte er ihr keinen alten Lord ausgesucht, den sie wahrscheinlich schon im ersten Jahr überleben würde. Er war älter als sie, aber nicht so alt, dass Cait ihn abstoßend gefunden hätte. Davon abgesehen, dass es keine Rolle gespielt hätte, sie hatte sich zu fügen, das war alles.
„Caitriona“, er winkte sie mit einer barschen Handbewegung zu sich heran. Cait gehorchte sofort und trat neben ihren Vater, wobei sie versuchte so unterwürfig zu wirken wie möglich. Es war schwer so zu tun als sei man nicht da, wenn man sonst eine Burg zu führen hatte, aber sie gab sich die größte Mühe.
„Meine Tochter, Lady Caitriona of Kent.”
Cait bemühte sich einen respektvollen Knicks zu vollbringen und sah dann unsicher auf. Ihr Vater bemerkte es zum Glück nicht, aber ihr „Auserwählter“ lächelte ihr freundlich zu. Vielleicht hatte sie ja doch noch Glück.
„Dein zukünftiger Gemahl, Edward, Prinz von Wales.“
Von einem auf den anderen Moment war sie leichenblass geworden und Übelkeit stieg in ihr hoch. Ihr Vater hatte schon immer hochtrabende Pläne gehabt, aber damit übertraf er sich selbst. Nein, es wunderte sie nun wirklich nicht, warum er ihr alles einschärfen wollte.
Cait versuchte ruhig weiter zu atmen, doch das enge Kleid raubte ihr den Atem und ohne es zu wollen wurde ihr plötzlich schwarz vor Augen.
Als sie wieder zu sich kam traute sie sich erst gar nicht die Augen wieder zu öffnen, zu sehr hatte sie Angst direkt in das wütende Gesicht ihres Vaters zu blicken. Doch als sie eine kühle Hand auf ihrer Stirn fühlte öffnete sie die Augen vorsichtig wieder, vielleicht war es ihre Nana. Der Duke hätte sie nur wachgeschüttelt.
„Nana“, murmelte sie und errötete fast, als sie das besorgte Gesicht des Prinzen über sich gebeugt sah.
„Alles in Ordnung mit Euch?“ fragte er freundlich und half ihr vorsichtig sich aufzusetzen, Cait nickte leicht und sah ein wenig ängstlich zu ihrem Vater, der eine düstere Miene aufgesetzt hatte.
„Mir fehlt nichts, Melord“, erklärte sie recht leise, auch wenn ihr immer noch etwas unwohl wahr. Der Prinz musterte sie recht durchdringend, so dass es ihr unwohl wurde. Er schien sie zu durchschauen, auch wenn er nicht wusste warum.
„Lucas, einen Kelch Wein für die Dame“, sprach er recht nachdrücklich in die Luft, dann sah er zu Cait. „Bleibt besser noch etwas sitzen, habt ihr heute schon etwas gegessen? Wenn man nichts im Magen hat wird einem leicht unwohl.“
Diese Frage verwirrte sie mehr als sie zugeben wollte, ihr Vater wäre niemals auf die Idee gekommen so etwas zu fragen. Niemand in dieser Burg hätte es getan, warum also sollte es diesen hohen Herren kümmern, der sie nicht einmal kannte. Sie nickte einfach, konnte sie sich nicht erinnern, ob sie etwas hatte. Es grenzte an Hochverrat ein Mitglied der königlichen Familie zu belügen, aber war es denn eine Lüge, wenn man nicht wusste ob man log.
„Seid Ihr sicher?“, fragte der Prinz noch einmal als er ihr den Weinkelch reichte. Anscheinend hatte er ihr Zögern bemerkt und nun sah sie sich wohl genötigt sich neben einem leisen Dank auch noch ein Kopfschütteln abzuringen, was dem Prinzen erstaunlicherweise nur ein Seufzen entlockte. Sie hatte befürchtet, dass er verärgert sein würde.
„Ich bin aber nicht hungrig, Melord“, beteuerte sie leise genug, dass ihr Vater es nicht mitbekam, denn dieser hielt das ganze so wieso nur für einen Schachzug ihrerseits.
„Caitriona, du entschuldigst nun sofort bei den Herrschaften für dein Verhalten“, forderte der Duke sie schließlich barsch auf, als der Prinz einen Schritt von ihr zurückgetreten war und er bemerken konnte, dass es ihr scheinbar recht gut ging. Doch der Prinz hob nur Einhalt gebietend die Hand.
„Ich glaube kaum, dass dies in ihrer Absicht lag“, erklärte er knapp, was ihrem Vater den Wind aus den Segeln nahm. Zumindest solange der Gast im hause wäre. „Aber vielleicht täte ihr ein wenig frische Luft ganz gut, wenn ihr erlaubt, würde ich mit eurer Tochter gerne einen Ausritt unternehmen.“
Am liebsten hätte Cait den Prinzen nun dankbar angesehen, er gab ihr die einmalige Chance, wenn auch nur kurze Zeit, aus der Reichweite des Dukes zu kommen. Aber sie wagte nicht ihren Anweisungen zu widersprechen und den Blick zu erheben. Sie wusste nicht ob ihr Vater nickte oder den Kopf schüttelte, erst seine nächsten Worte ließen seien Entscheidung offenkundig werden.
„Caitriona, zieh deine Reitkleider an, dass was du trägst ist zu dünn für die Witterung“, befahl er ihr. Er meinte wohl eher zu teuer um auf einem Pferd zerschlissen zu werden. Ob sie fror oder nicht war ihm doch vollkommen gleichgültig, eine Lungenentzündung käme doch sehr gelegen. Aber dann belehrte sich Cait eines besseren, der Prinz würde sie sicher nur zur Braut nehmen solange sie gesund und vor allem lebendig war. Der Duke hatte also durchaus seine Gründe, dass sie gesund blieb. Auch wenn sie nicht daran zweifelte, dass die Gesundheit des Kleides am wichtigsten war.
Rasch stand sie auf und stellte den Kelch beiseite, es war besser sich zu beeilen, ehe er wütend wurde.
„Langsam Melady, nicht dass ihr uns noch einmal entschwindet“, der Prinz fasste sie stützend am Arm. Sie hätte fast gelächelt, wenn nicht gleichzeitig die Stimme ihres Vaters erklungen wäre.
„Duncan, du wirst sie begleiten, damit sie sich ein wenig beeilt.“
Zu ihrer eigenen Schande hatte sie in genau dem Moment den Blick gehoben und der dankbare Blick in ihren Augen verschwand so schnell wie er gekommen war. Duncan, er war schon ungeduldig beim Schnüren gewesen, wie wäre es dann erst bei dem dicken Winterreitkleid mit den verschiedenen Unterröcken. Ihre Kehle schnürte sich leicht zu und sie senkte den Blick rasch wieder, damit Edward nicht die Angst lesen konnte, die wohl nun in ihm stand.
Trotzdem bekam sie das Stirnrunzeln des Prinzen noch mit. Ob er es bemerkt hatte? Sie betete nur, dass er es ignorieren würde.
„Aber.. aber.. Duke.. eine Dame sollte man nicht hetzen, besonders nicht wenn sie ausgehen will“, erklärte er amüsiert, als hätte er nichts bemerkt. Vielleicht hatte er es auch gar nicht, oder er ignorierte es schlicht, wie es sich gehörte. Man mischte sich nicht in die Angelegenheiten der Familie ein.
„Wenn Ihr mich bitte entschuldigen würdet, euer Hoheit“, sagte sie leise und verschwand zur Tür wo Marlies schon auf sie wartete und nun
vor eilte um schon einmal alles heraus zulegen. Egal was der Prinz auch sagte, Duncan, der ihr sicherlich schon folgte, würde schon dafür sorge tragen, dass sie sich beeilte.
Edward blickte ihr kurz nach, dann sah er zu Lucas hinüber. Lucas war der Hauptmann seiner Leibwache und sein engster Vertrauter. Sie brauchten keine großen Worte zu wechseln um sich zu verstehen.
Ein nachdrücklicher Blick, ein kurzes Nicken und schon verschwand Lucas so unauffällig, als wäre er nie in der Halle gewesen. Lautlos und unauffällig trotz des fremden Terrains folgte er dem Sohn des Dukes. Der unausgesprochene Befehl des Prinzen war klar und deutlich für ihn gewesen. Irgendetwas ging da vor sich und es war nun an ihm für die Sicherheit der jungen Frau zu sorgen. Wenn er den Blick ihres Bruders richtig interpretiert hatte, war dies wohl auch bitter nötig.
*
Abschnitt 6
Cait hatte sich, nachdem Marlies die Verschnürungen leicht gelöst hatte, rasch alleine aus dem Kleid befreien können, damit ihre Zofe das Reitkleid schon
raus legen konnte und alles was dazu gehörte. Sie legte das Kleid trotz aller Hast ordentlich beiseite, auch wenn sie ihren Bruder schon draußen hörte, der schon wieder ungeduldig wurde, obwohl noch kaum Zeit vergangen war. Doch sie konnte sich nicht mehr beeilen, als sie es bereits Tat, so dass er wohl oder eher übel noch warten musste.
Marlies brauchte sie nichts sagen oder gar zur Eile antreiben, dass Mädchen hatte schon alles bereit gelegt und half ihr nun in das neue Gewand. Normalerweise hätte sie hierfür keine Hilfe benötigt, aber ihre Finger brannten mittlerweile wie Feuer und sie hatte mühe sie zu bewegen. Blut zeichnete sich auf dem weißen Stoff ab und ein Seufzen entrang sich ihrer Kehle. Bisher hatte es noch niemand bemerkt und es blieb nur zu hoffen, dass es auch so bleiben würde. Wenngleich sie ihre Zweifel daran hegte.
„Marlies, holst du mir bitte meine Lederhandschuhe“, wies sie das Mädchen an nachdem sie ihrer ehemals weißen Handschuhe betrachtet hatte. Sie zog sich die Ärmel zurecht und war einen Moment lang versucht, das Kleid selbst zu schließen, doch es würde sie mehr Zeit kosten, als wenn sie auf Marlies warten würde.
Als das Mädchen ihr die Handschuhe reichte, lächelte sie diese dankbar an und zog die Handschuhe über die weißen, um ihrer Geschundenen Hände zumindest ein wenig zu schützen. Seufzend betrachtete sie ihre Hände.
„Könnt Ihr denn so reiten, Melady“, fragte Marlies besorgt und durchbrach damit ihre Gedankengänge, die sich nicht einmal wirklich ausformuliert hatten. „Ihr müsst die Zügel umfassen können.“
„Es wird schon gehen“, Cait lächelte, auch wenn ihr nicht danach zumute war. Es musste gehen, sie würde ihrem Vater nicht zuwider handeln, sie hatte sich heute schon
zu viel geleistet.
„CAIT“
Sie zuckte zusammen als sie die wütende Stimme ihres Bruders hörte, es ging ihm wieder zu langsam, viel zu langsam. Es hätte sie auch gewundert, wenn er ein einziges mal Geduld gezeigt hätte und nun wo der Prinz draußen wartete... nein sicher nicht.
„Schnell, schließ das Kleid Marlies und gib mir meinen Reitumhang, dann gehst du in dein Zimmer und bleibst dort bis wir fort sind. Egal was passiert“, befahl sie dem Mädchen, welches nur widerwillig nickte.
Nach ein paar weiteren Minuten, in denen sie ihren Bruder hatte warten lassen müssen, war sie endlich fertig. Sie straffte sich leicht und trat hinaus, zumindest würde er sie nicht umbringen.
*
Abschnitt 7
Zu Caits erstaunen passierte nichts, Duncan funkelte sie wütend an und fasste sie grob am Arm um sie mit sich zu ziehen. Erleichtert atmete sie durch, sie war wohl doch noch einmal davon gekommen. Doch ihre Erleichterung war zu überhastet gewesen, sie waren schon fast wieder in der Halle als Duncan sie grob gegen die Wand stieß und seine Hände um ihre Kehle legte. Cait keuchte entsetzt, das würde er doch nun nicht machen, so etwas würde nicht mal er sich wagen.
Doch Duncan schien ganz anderer Meinung zu sein und drückte unerbittlich zu, so dass sie nur noch mühsam nach Atem ringen konnte. Ihr Bruder beugte sich zu ihr vor, sie spürte seinen Atem an ihrem Ohr. Verzweifelt versuchte sie ihn wegzuschieben, doch er war zu stark.
„Verdirb es nicht“, zischte er ihr drohend ins Ohr. „Wag es dich auch nur einen Fehler zu machen und du wirst es bereuen, verhalte dich so wie es von dir erwartet wird. Ich hoffe wir haben uns verstanden.“
Cait sagte kein Wort, sie konnte nicht einmal einen klaren Gedanken fassen, außer der nach Luft, doch Duncan ließ immer noch nicht locker. Wollte er wirklich eine Antwort ehe er sie freiließ?
*
Abschnitt 8
Lucas war den beiden gefolgt, der junge Mann schien nichts zu sehen als seine Schwester, nur diese Blicke sagten mehr als Worte. Es war nicht das darin zu lesen, was man erwarten sollte, nur blanker Hass. Die junge Frau hingegen schien es hinzunehmen, es war wohl eine alltägliche Situation. Er unterdrückte ein schnauben, wenn das alltäglich war, dann wollte er nicht wissen wie eine angespannte Situation aussah.
Schließlich verschwand sie und Lucas entspannte sich ein wenig, als der Bursche keine
Anstalten machte ihr zu folgen. Er stapfte vor der Tür auf und ab und nach einiger Zeit brüllte er ihren Namen. Lucas verdrehte die Augen und lehnte sich an die Wand, dieser Kerl erwartete doch nicht wirklich, dass sie sich in solch kurzer Zeit komplett umgezogen hatte. Aber es schien ihm sehr ernst zu sein, denn nun stierte er die Tür wütend an.
Er wartete ruhig weiter, so schnell würde sie dort sicher nicht rauskommen, doch zu seinem erstaunen erschien sie nur wenige Minuten später, was schon an Zauberei grenzte. Ihren Blicken zu folgen würde etwas passieren, so dass er sich unwillkürlich bereithielt. Doch nichts geschah, außer das er sie grob am Arm fasste. Das konnte er gerade noch durchgehen lassen, auch wenn er dies vor dem Prinzen würde erklären müssen.
Fast hatte er erwartet das nun alle glatt laufen würde, sie waren fast zurück und es gab immer noch keinen Unfall. Er ließ sich noch etwas weiter zurückfallen um nicht aufzufallen. Ein Fehler wie sich herausstellen sollte, als er wieder aufgeschlossen hatte.
Ohne zu zögern zog er den Dolch aus der Scheide und trat entschlossen auf die beiden zu. Der Bursche musste wahnsinnig geworden sein, wollte er die verlobte des Prinzen von Wales töten? Mit zwei Schritten war er bei ihm und legte ihm die Klinge an den Hals.
„Lasst sie sofort los, Melord, oder ich schneide Euch die Kehle durch“, sagte Lucas ruhig, so dass es fast schon harmlos klang, doch selbst diesem feisten Kerl sollte der ernst der Worte klar sein.
*
Abschnitt 9
Diese Stimme, sie kam ihr fast schon vor wie ein Traum, oder sie halluzinierte. Doch Duncan lockerte wirklich seinen Griff, so dass sie endlich nach der wertvollen Atemluft ringen konnte. Schließlich tat er einen Schritt zurück, die Klinge der Waffe lag immer noch an seiner Kehle, doch das kümmerte sie gerade wenig. Hustend und nach Luft ringend griff zu ihrem Hals.
‚Er wollte mich umbringen ... er wollte mich wirklich umbringen’, ging es ihr immer wieder durch den Kopf, er hätte nicht losgelassen ehe sie etwas gesagt hätte. Doch wie sollte sie reden, wenn er ihr die Luft abdrückte. Duncan war noch nie einer der hellsten gewesen, aber das war seine Meisterleistung.
Cait stützt sich an der Wand ab, am liebsten hätte sie sich nun irgendwo hingesetzt zur Not auch auf den Boden. Allerdings fiel das wohl wieder unter die Kategorie keinen Anstand zu haben, sie wollte ihrem Vater keinen Grund liefern Duncans vorgehen zuzustimmen. Sie hörte die wütende Stimme ihres Bruders, der Angreifer, oder doch ihr Helfer, antwortete darauf nicht, aber die Waffe verschwand wieder. Langsam, quälend langsam fand sie ihren Atem wieder, eine Hand griff stützend nach ihr, vorsichtig und darauf bedacht ihr zu helfen.
Ein ungewohntes Gefühl besonders in der Nähe ihres Bruders, der sie wütend anstarrte, als wäre sie es gewesen, die ein Verbrechen begangen hatte.
„Seid Ihr in Ordnung, Melady“, fragte der Fremde. Caitriona blickte ihn an und nickte zaghaft, ihre Kehle schmerzte, aber das würde vorbeigehen. Sein Gesicht kam ihr Wage bekannt vor, sie hatte ihn in der Nähe des Prinzen gesehen. Unwillkürlich glitt ihr Blick wieder auf ihren Bruder.
„Wenn du dich nicht beeilst, Schwester, wird Vater sehr ungehalten sein“, grollte er, als wäre es ihre Schuld, dass sie hier stand. Sie würde nicht antworten, was sollte sie auch sagen, jede Antwort wäre die Falsche.
Stattdessen schwieg sie und straffte sich leicht, sie würde ihren Verwandten keinen Anlass geben sich für sie zu schämen. Duncan sagte nichts mehr, allerdings zweifelte sie nicht daran, dass es an den Blicken lag, die ihm der Fremde zuwarf. Sie hatte seine Augen nur kurz gesehen, Augen eines Mannes, der nicht lange zögern würde, Entschlossenheit zeichnete sich in diesem Blick ab.
„Gehen wir zu Vater“, krächzte sie noch leicht, ihre Kehle schmerzte. Sie würde nicht viel reden, damit hätte ihr Vater ja erreicht, was er ihr aufgetragen hat.
‚Er sollte Duncan einen Orden verleihen für diese Heldentat’, dachte sie spöttisch.
Duncan wollte wieder nach ihr greifen, doch der Fremde blieb zwischen ihnen und stützt sie immer noch fürsorglich. Sie sah den Zorn in den Augen ihres Bruders auflodern, den Mann schien es nicht zu kümmern, doch sie kannte die Vorzeichen.
„Ich danke Euch, Melord“, sagte sie leise, einerseits um ihre Stimme zu schonen zum anderen damit Duncan es nicht hörte. „Aber Ihr solltet nun zu Eurem Herrn zurückgehen, wir kommen gleich nach.“
Er sah sie an und nickte leicht, als wollte er ihren Worten zustimmen. Dann lächelte er ein wenig amüsiert.
„Ich führe nur meine Befehle aus, Melady, und dies mit Sorgfalt“, antwortete er höflich und geleitete sie in Halle. Cait unterdrückte ein Seufzen, er machte alles nur schlimmer. Duncan würde sich für diese Herabsetzung rächen, soviel war sicher und zwar an demjenigen, der für ihn am Besten erreichbar war. Wegschicken konnte sie den Fremden allerdings auch nicht, das hätte den Zorn ihres Vaters heraufbeschworen, den sie noch mehr fürchtete als den ihres Bruders.
Wie so oft ergab sie sich einfach in ihr Schicksal, der gehorsam gegenüber ihrem Vater war immer noch wichtiger.
*
Abschnitt 10
Ihre Resignation war Lucas nicht entgangen und auch nicht das Verhalten ihres Bruders. Sie fürchtete ihn und das zu Recht, aber hier war noch mehr. Immer noch wachsam brachte er die junge Frau in die Halle. Er würde dem Prinzen
Bericht erstatten, dieser Ort war nicht sicher, zumindest nicht für das Mädchen. Es mussten Vorkehrungen getroffen werden, selbst wenn der Prinz geneigt war die Verlobung zu lösen. Bisher machte dieser jedoch nicht den Anschein. Caitriona von Kent hatte bereits ihren Eindruck hinterlassen, auch wenn es ihr nicht bewusst war. Trotz des Gehorsams und der Unterwürfigkeit die sie zeigte, blieb es einem aufmerksamen Beobachter nicht verborgen, was dahinter steckte. Eine schöne Blume zwischen lauter Unkraut.
Lucas schmunzelte bei dem Vergleich, vielleicht sollte er mal Unkraut jäten, aber dagegen hatte Prinz Edward bestimmt etwas. Vielleicht reichte es auch schon dafür zu sorgen, das die Blume vom Unkraut nicht erstickt wurde, im wahrsten Sinne des Wortes.
*
Rasch entzog sich Cait dem Fremden bevor sie den Saal wieder betraten, ehe ihr Vater etwas mitbekam. Doch dazu war es bereits zu spät, der Duke hatte es bereits bemerkt und warf ihr einen vernichtenden Blick zu. Caitriona senkte rasch den Blick, selbst wenn es nicht dem Anstand entsprochen hätte wäre sie diesem nun ausgewichen. Sie konnte seinen Blick gerade zu spüren, gleich würde es wieder soweit sein, dass er die ganze Burg zusammen schrie, doch nichts dergleichen geschah, stattdessen erhob jemand die Stimme von dem sie es nicht erwartet hatte.
„Ihr müsst wahrlich zaubern können, Melady, so schnell habe ich nicht erwartet Euch wieder zu sehen.“ Sie atmete erleichtert auf, ihr Vater konnte sie nicht anbrüllen oder schlagen, während der Prinz anwesend war. Dies würde keinen guten Eindruck machen. „Lucas, wie ich sehe hast du meine Anverlobte wahrlich sicher hergeleitet.“
„Gewiss, Hoheit“, erklärte dieser und verneigte sich, ehe er wieder an dessen Seite trat. Der Leibwächter des Prinzen, das würde sein Verhalten erklären. Nur weshalb er ihr gefolgt war... Hatte der Prinz ihre Blicke doch bemerkt gehabt.
„Caitriona, du kannst dich glücklich schätzen, dass du solch einen sorgenden Gemahl bekommst“, erklärte ihr Vater nun mit unterschwelliger Wut. Ihm schien es nicht zu passen, dass er jeglichen Grund sie ihrer gerechten Strafe zukommen zu lassen, beraubt war. Sie selbst war deshalb nicht undankbar.
„Ja, Vater“, sagte sie leise, wie es von ihr erwartet wurde.
„Dürfte ich Eure Tochter dann zu dem Ausritt entführen, seid Euch sicher, dass ich sie euch wohlbehalten wiederbringe“, erklärte Edward ... Prinz Edward, korrigierte sie sich in Gedanken schroff, und trat zu ihr. Fast schon fürsorglich legte er ihr, ihren Reitmantel um und sah wieder zum Duke. „Die Eskorte meiner Leibwache sollte uns genügen.“
Cait blickte bei diesen Worten verstohlen auf und sah zu ihrem Vater, er hatte die Hand leicht erhoben, wahrscheinlich um Duncan wieder mit ihr mitzuschicken. Doch ließ er diese wieder sinken und nickte ergeben. Sie seufzte erleichtert und war sich dabei nicht bewusst, das Lucas, der sie immer im Auge behielt, amüsiert lächelte.
„Wie ihr wünscht, Eure Hoheit“, lenkte der Duke ergeben ein und ließ kein Wort mehr darüber verlauten.
Ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer als wären ihr tausend Steine vom Herzen gefallen, dies wäre das erste Mal seit Jahren, dass sie ohne ihren Vater oder ihren Bruder die Burg verließ.
*
Abschnitt 11
Prinz Edward bot ihr galant den Arm an und führte sie in den Hof zu den Pferden, die bereits gesattelt waren. Mit einem unwohlen Blick sah Cait zu ihrem Pferd, sie liebte dieses Tier und ritt es auch gerne, doch war der junge Hengst im Damensattel schwer zu bändigen. Besonders wenn man die Zügel nicht richtig halten konnte, wie ihr
siedend heiß einfiel.
Wie sooft kam sie mit den schweren Reitkleidern nur mit Mühe in den Sattel. Normalerweise hätte sie diese Hürde alleine bewältigen müssen, doch schien es dem Prinzen nichts auszumachen, als Aufsteighilfe zu agieren, und so gelangte sie mit seiner Hilfe recht schnell aufs Pferd. Sie zog die pelzverbrämte Kapuze über den Kopf und ergriff mit ihren schmerzenden Fingern die Zügel. Es war bei weitem nicht so kalt wie am Morgen, doch solange es nicht unnatürlich heiß war, war ein der Bedingungen ihres Vaters, dass sie sich unter der Kapuze verbarg, wenn sie mitreiten wollte. Und so unterwarf sie sich auch heute wieder seinem Befehl.
Der Prinz wirkte ein wenig erstaunt über ihr verhalten, schien aber einfach nur anzunehmen, dass ihr kalt war und ging nicht weiter darauf ein.
*
Abschnitt 12
Sie waren schon eine ganze Weile unterwegs ehe Prinz Edward das Wort ergriff, Caitriona hatte es sich nicht gewagt ihn anzusprechen, nicht nachdem ihr Vater es ihr ausdrücklich untersagt hatte. Zudem traute sie sich auch nicht ein Mitglied der königlichen Familie einfach anzusprechen.
Die Sonne stand mittlerweile hoch am Himmel und hatte den wenigen Schnee der gelegen hatte weggetaut, unter der Kapuze war es fürchterlich warm, aber es war erträglich. Um ein paar Stunden von ihrem Vater und ihrem Bruder fort zukommen war es ein geringer Preis.
„Melady, Ihr solltet die Kapuze vielleicht besser abnehmen, sonst bekommt ihr noch einen Hitzschlag mitten im Winter“, sagte er freundlich und Cait errötete, wie sollte sie sich da nun herauswinden, sie konnte unmöglich lügen.
„Es ist durchaus erträglich, Eure Hoheit“, antwortete sie ausweichend und sah auf ihre Hände. Er hatte sie zum Glück nicht aufgefordert, denn dann hätte sie kaum eine vernünftige Entschuldigung hervorbringen können, dass ihr kalt war konnte sie nicht gerade behaupten. Sie konnte seine skeptischen Blicke nicht sehen, aber die Stille verhieß nichts anderes.
Fast schon nachdenklich blickte er sie an. Edward ahnte, dass etwas dahinter steckte und mit freundlichen Worten schien sie es sich nicht entlocken zu lassen. Und noch etwas anderes war ihm aufgefallen, egal wie unangenehm der jungen Frau die Situation war, sie antwortete immer, manchmal etwas ausweichend, aber stets ehrlich.
„Es ist wirklich ein herrlicher Tag, so warm war es schon lange nicht mehr“, plauderte er plötzlich daher, dass Cait erstaunt den Kopf zu ihm herumdrehte. Sie hatte schon viele Gesprächsthemen bei Männern erlebt, aber das Wetter war nie ein Thema gewesen.
„Ja... es ist... wirklich schön“, stotterte sie leicht verwirrt und sah wieder nach vorne, was bezweckte er damit. Fast schon penibel vorsichtig hielt sie die Zügel in den Händen, zu ihrer Erleichterung war ihr Pferd bisher ruhig gewesen und legte einen vorbildlichen Eindruck vor.
„Weshalb habt Ihr dann noch die Kapuze auf“, fragte er nun direkt, wollte er sie denn unbedingt in eine peinliche Situation bringen.
„Es gebietet der Anstand“, erklärte sie leise und sah nach vorne. Ja, der Anstand, den ihr ihr Vater aufgezwungen hatte, aber dies würde sie nicht sagen.
„Verzeiht, aber diese Anstandsregel ist mir nicht bekannt, es scheint mir mehr eine
Vereinbarung zwischen Euch und Euren Verwandten zu sein.“
Cait zuckte bei diesen Worten leicht zusammen, Edward lächelte schwach, so war es also. Sie würde nicht gegen die Gebote ihres Vaters verstoßen, aber wenn er einen königlichen Befehl aussprach konnte nicht einmal der Duke von Kent daraus einen Ungehorsam ableiten.
„Nun, Anstand hat so seine Nachteile, nicht wahr“, sagte er mit nachdenklicher Stimme. „Legt die Kapuze zurück, ich möchte Euer hübsches Gesicht gerne sehen können.“
Edward verzog leicht das Gesicht, man konnte ihm beinahe Hintergedanken nachsagen, aber was sollte er ansonsten machen. Freiwillig würde sie das Ding nicht abnehmen und er wollte sicher nicht, dass sie ihm vom Pferd fiel, nur weil sie von der Wärme ohnmächtig wurde. Sie war heute schon einmal umgekippt, das würde er sicher nicht noch einmal riskieren.
Zögernd streifte sie die Kapuze ab und sah zu dem Prinzen, eine hinterhältige Art war es gewesen. Aber was sollte sie schon tun, sich bedanken? Zumindest war dies der erste Gedanke der ihr in den Sinn kam, die kühle Luft war wunderbar und das Unbehagen, das sie empfunden hatte war fast gänzlich verschwunden. Trotzdem würde sie dies ihrem Vater erklären müssen, eine Tatsache die ihr nicht behagte.
Immer noch mit einem mulmigen Gefühl im Bauch wandte Cait den Blick zum Prinzen, der ihr aufmunternd zu lächelte. Zumindest dieses Mal hatte die Machtbesessenheit ihres Vaters nicht zu ihrem Nachteil geführt. Sie hatte eher einen aufgedunsenen, fetten, alten Mann erwartet, der sie anwiderte und den sie nur unter Protest und der Androhung von Schlägen näher gekommen wäre. Bei dem ein oder anderen Bekannten ihres Vaters hätte es wohl auch Schläge gegeben, daran zweifelte sie kaum.
„Ein Penny für Eure Gedanken, Melady“, unterbrach Edwards Stimme ihre Grübeleien. Cait bemerkte, dass sie den Prinzen die ganze Zeit angestarrt hatte und wandte beschämt den Blick ab.
„Es war nichts, Eure Hoheit, nur ein paar lächerliche Tagträumereien“, erwiderte sie zaghaft und hoffte, dass er nicht weiter nachfragte.
„Ich glaube kaum, dass sie so lächerlich waren“, entgegnete er freundlich, aber dankbarer weise drang er nicht weiter in sie ein. Sie sah stur gerade aus, so dass ihr seine besorgten Blicke entgingen. Ärger war das letzte was sie wollte, dabei war es unerheblich ob es um ihren Vater oder ihren Zukünftigen ging, sie musste die
Waagschale halten und versuchen es beiden recht zu machen. Ein wahrlich gefährlicher Spagat, aber was sollte sie ansonsten machen. Sie hatte keine große Wahl, wenn sie es sich nicht mit dem einen oder anderen verscherzen wollte.
Mit einen unterdrückten Seufzen versuchte sich Edward wieder auf das Reiten zu konzentrieren, was sich allerdings als ganz und gar nicht so einfach herausstellte. Immer wieder glitt sein Blick auf die junge Frau neben ihm, wieder einmal war sie in Gedanken versunken. Zu gerne hätte er erfahren, was sie ständig besorgte, doch er konnte es sich schon ein wenig ausmalen. Sein Blick glitt zu Lucas hinüber, der auf ihrer anderen Seite ritt. Dieser erwiderte seinen Blick ruhig, wie immer konnte man keine Regung aus seinem Gesicht ablesen, doch sie kannten sich schon lange genug. Sie mussten kein Wort wechseln um zu wissen, dass ihre Gedanken sich um das gleiche Thema drehten.
Später würden sie darüber reden, doch nun wollte er
erst mal den Ausritt genießen.
*
Abschnitt 13
Es waren bereits zwei Stunden ins Land gezogen, als sich Caitrionas Körper bemerkbar machte. Sie war vor Jahren das letzte Mal solange auf einem Pferd gewesen, ihre Hände schmerzten und der Rest von ihr wusste auch schon lange nicht mehr wo nun oben und wo unten war.
Ihr Blick glitt zu ihren Begleitern, sie schienen immer noch bester Kondition und fast schon ausgeruht. Sie waren bestimmt längere Ritte gewöhnt. Cait spielte mit dem Gedanken um eine Pause zu bitten, doch war sie sich auf der anderen Seite auch nicht sicher ob ihr so eine bitte überhaupt zustand. Tapfer und schon fast unsinnigerweise biss sie die Zähne zusammen, sie würde einfach abwarten bis die Gruppe von selbst beschloss eine Pause einzulegen, wie lang es auch noch dauern sollte.
Wieder einmal war sie sich der Augen kaum bewusst, die auf ihr ruhten. Doch woher sollte sie solche Dinge auch ahnen, sie war es nicht gewohnt, dass sich jemand um sie sorgte. Sie war diejenige, die sich zu kümmern hatte und still zu sein, bis sie jemand dazu aufforderte zu sprechen. Ihr behagten diese Regeln nicht, aber sie gehorchte ihnen.
„Vielleicht sollten wie eine Rast einlegen“, Edward sah auf und wollte gerade protestieren, doch Lucas schnitt ihm mit einer barschen Handbewegung das Wort ab noch ehe es ausgesprochen war.
Er unterdrückte ein Seufzen als er zu Caitriona schaute, sie sah müde aus. Er hätte wirklich daran denken können, doch natürlich hatte er es wieder einmal nicht getan. Zum Glück war Lucas etwas weitsichtiger als er.
„Eine sehr gute Idee“, stimmte er etwas zu überschwänglich zu und sah sich um. „Dort vorne ist eine Quelle, dort können wir rasten.“
Cait atmete erleichtert auf als sie das hörte, ihr Pferd schwenkte auch gleich in diese Richtung, anscheinend hatte sie ihm bereits unbewusste ein Zeichen gegeben. Sie zog die Zügel ein wenig an um den Hengst langsamer gehen zu lassen, doch dieser reagierte nicht gleich, so dass sie kräftiger zupacken musste, als es ihr gut tat.
Zum Glück hielt der Hengst an der Quelle von alleine an, was allerdings das nächste Problem nach sich zog. Wie kam sie nun ohne Blessuren aus dem Damensattel, oder sollte sie besser sagen ohne noch mehr Blessuren. Ein wenig unsicher überlegte sie ob sie einfach runterspringen sollte, doch das hatte sie schon einmal versucht und sich dabei den Knöchel so sehr verstaucht, dass sie eine Woche ihre Arbeit nicht hatte machen können.
‚Also warte ich bis sich vielleicht einer erbarmt und mir aus dem Sattel hilft’, dachte sie mit einem Seufzen bei sich und wartete bis einer ihrer Begleiter sich dazu herab ließ ihr zu helfen. Es erstaunte sie nicht wirklich, dass es sich dabei um den Mann handelte, der sie schon vor Duncan gerettet hatte. Er half ihr vorsichtig aus dem Sattel und trat dann gleich wieder zurück, noch ehe sie einen Dank über die Lippen gebracht hatte.
Rasch verbarg sie ihre schmerzenden Finger unter ihrem Mantel und trat auf Prinz Edward zu. Sie hatte schon einiges von ihm gehört, aber all diese Worte sprachen über einen großen Krieger. Doch der Mann den sie hier vor sich sah hatte wenig mit den Erzählungen gemein. Vielleicht waren sie ja nur wieder übertrieben, oder er versuchte sich anders zu zeigen, als er wirklich war. Cait schauderte leicht, doch welchen Zweck sollte er damit verfolgen. Ihrem Vater war es gleichgültig ob ihr Ehemann freundlich oder bösartig war, so lange sie sich nur artig verheiraten und schwängern ließ. So kalt es klang, einen anderen Sinn hatte das Ganze doch nicht. Töchter waren zum verheiraten da und um damit seinen Einfluss zu vergrößern, was mit ihnen letztendlich wurde war gleichgültig.
Trotzdem lächelte sie den Prinzen nun freundlich an, es hätte sie wahrlich schlimmer treffen können. Ihr war es gleichgültig ob er der Prinz von Wales oder ein verarmter Adeliger war, er war freundlich und zuvorkommend zumindest in der Öffentlichkeit, das war schon mehr als man erwarten durfte und er war auch nicht alt genug um ihr eigener Vater zu sein.
„Ihr grübelt schon wieder“, sagte der Prinz lächelnd und bot ihr seinen Arm an. Ertappt hakte sie sich bei ihm ein, sie war viel zu leicht zu durchschauen, dass durfte ihr eigentlich nicht passieren. Sie musste vorsichtiger sein. Zum Glück fragte er nicht danach, worüber sie nachgedachte hatte, es wäre höchst peinlich geworden.
„Verzeiht, Eure Hoheit“, antwortete sie so leise wie immer. „Ich werde versuchen zu unterlassen.“
Er sah sie verdutzt an und fing dann an zu lachen, verstummte aber ebenso schnell wieder, als er bemerkte, dass diese Worte ihr ernst gewesen waren.
„Ihr würdet es wirklich tun, nicht wahr?“, seufzend führte er sie zu einigen großen Steinen in der Nähe der Quelle.
„Ich würde mich bemühen“, entgegnete Cait leise, sie würde es nicht schaffen, dass wusste sie genau, aber sie würde es versuchen. Sie drehte den Kopf zu ihm und sah ihn an, zu ihrem Erstaunen lächelte er.
„Man sollte niemanden das Denken verbieten, immerhin ist es das einzige das uns alleine gehört“, sagte er und wies sie an auf einem der Steinen Platz zu nehmen, ehe er sich selbst setzte. Einer der Soldaten brachte ihnen die Wegzehrung die Nana noch auf die Schnelle eingepackt hatte. Sie wusste genau was Caitriona gerne hatte und hatte davon reichlich eingepackt wie sie nun sah. Es würde allerdings ein wenig schwierig werden mit den Handschuhen zu essen. Anscheinend hatte der Prinz den gleichen Gedanken und sah skeptisch auf die dicken Lederhandschuhe.
„Ihr solltet sie beim Essen ausziehen und sagt nun nicht, ihr habt keinen Hunger, ich habe vorhin euren Magen gehört“, erklärte er fast schon streng, was sie seufzen ließ. Sie konnte die Handschuhe nicht ausziehen, aber nichts Essen würde auch nicht akzeptabel sein. Also musste sie mit den Handschuhen essen, was ihrer Feinmotorik nicht zu Gunsten kam.
Nur kurz zögerte sie und beschloss, dass sie lieber versuchen würde mit den Handschuhen zu essen, als sie auszuziehen. Doch ehe sie sich etwas nehmen konnte hielt Prinz Edward ihr Handgelenk fest und sah sie durchdringend an. Sie hätte sich nicht einmal aus diesem Griff befreien können, wenn sie es gewollt hätte. Vielleicht waren an den Geschichten über ihn doch etwas dran, er schien keinerlei Mühe zu haben sie festzuhalten, selbst wenn sie auf die Idee kam sich zu wehren.
„Zieht die Handschuhe aus“, sagte er dieses Mal nachdrücklich, es war nun sicher keine Bitte und Cait versteifte sich leicht. Es war ein direkter Befehl, doch er stand im Widerspruch zu den Worten ihres Vaters. Zumindest im Widerspruch zu dem was er gemeint hatte, nicht zu dem was er sagte. Der Griff um ihr Handgelenk lockerte sich wieder und Cait sah unsicher zu ihm, doch in den Augen des Prinzen lag nun eine unnachgiebige Entschlossenheit. Sie würde nicht darum herumkommen.
„Es ist kühl“, versuchte sie es noch abzuwiegeln, auch wenn sie kaum glaubte, dass es von Nutzen sein würde.
„Ich könnt die Handschuhe gleich nach dem Essen wieder anziehen“, lautete die wenig nachsichtige Antwort. Caitriona schluckte leicht und sah auf ihre Hände, es wäre wohl am besten, wenn sie beide Handschuhe gleichzeitig ausziehen würde. Es würde so oder so unangenehm werden und je eher sie es hinter sich hatte, desto besser. Sie biss die Zähne zusammen als sie die Handschuhe abstreifte und wagte es sich nicht den Blick zu heben, als neben ihr jemand scharf die Luft einzog.
Es tat ihm fast schon leid, wie er mit ihr reden musste, aber er wusste selber wie schwer es war mit Handschuhen zu essen und ihre Sturheit war nun wirklich fehlt am Platze. Zumal es wirklich nicht so kalt war, dass man unbedingt Handschuhe anhaben musste. Sie zögerte ziemlich lange ehe sie die Handschuhe ablegte und plötzlich verstand er auch weshalb sie diese anbehalten wollte.
Scharf zog er die Luft ein, Zorn blitzte in seinen Augen, als er auf ihre Hände blickte. Die Haut war an den Knöcheln aufgesprungen und blutete leicht, die Finger hatten eine bläuliche Färbung angenommen und waren bereits angeschwollen. Es war ein Wunder, dass sie diese noch so normal bewegen konnte, er hätte es nicht vermocht.
Edward überlegte ob er einen Kommentar abgeben sollte, doch er unterließ es erst einmal. Er wollte seine Wut nicht auf seine Zukünftige übertragen. Wortlos stand er auf und ging aus ihrer Reichweite. Der Geschmack dieser Erkenntnis lag bitter auf seiner Zunge und auch die Konsequenzen, die dies normalerweise nach sich ziehen musste. Sie war dem Prinzen von Wales versprochen, dem zukünftigen König von England, und trotzdem wagte es jemand sie auf solche Weise zu behandeln. Sie war nicht weit davon entfernt ein Mitglied der königlichen Familie zu werden und solch eine Tat kam Hochverrat gleich.
Er brauchte eine ganze Weile, ehe er sich wieder so weit beruhigt hatte, dass er gefahrlos mit jemanden reden konnte. Sein Blick glitt zu Caitriona hinüber, die immer noch da saß, wo er sie zurückgelassen hatte. Ohne ein Wort an sie zu wenden, drehte er sich zu Lucas um, der genau dort stand, wo er es erwartet hatte.
„Schicke einen deiner Leute zu mir, der mit der Heilkunde bewandert ist“, befahl Edward ein wenig barsch, seine Wut war immer noch nicht verklungen. „Wenn dies keine Linderung bringt, werden wir einen Heilkundigen aufsuchen.“
Cait hatte Prinz Edwards Reaktion mit einem unwohlen Gefühl in der Magengegend verfolgt. Sie hätte nicht gehorchen dürfen, es war eine fürchterliche Dummheit gewesen. Seufzend betrachtete sie ihre Hände, es war bei weitem nicht so schlimm, wie sie befürchtet hatte. Es würde einige Tage brauchen bis es verheilt wäre, ihr Vater würde toben. Vorsichtig zog sie die weißen Handschuhe aus den Lederhandschuhen, sie würde neue brauchen, das Blut würde sich nicht mehr heraus gewaschen bekommen.
Fast schon verstohlen sah sie sich um, sie hatte zwar nicht die Anweisung bekommen sitzen zu bleiben, dennoch hatte sie das ungute Gefühl etwas Verbotenes zu tun. Als sie bemerkte, dass niemand sie genauer beobachtete, stand sie auf und ging zu dem schmalen Bachlauf, welchen man eher als Rinnsal bezeichnen konnte. An einer einigermaßen trockenen Stelle kniete sie nieder und wusch vorsichtig die Handschuhe aus. Das kalte Wasser schmerzte an ihren Fingern, trotzdem versuchte sie das Blut heraus zu waschen so gut es ging. Vielleicht konnte sie die Handschuhe noch einfärben lassen, ihr Vater würde die Verschwendung sie fortzuwerfen nicht gut heißen.
*
Abschnitt 14
Nach einer Weile wurde die Kälte fast schon angenehm, vielleicht auch nur deshalb, weil ihre Finger langsam taub wurden. Wenn sie sie noch etwas länger im kalten Wasser hielt, würden sie vielleicht soweit abschwellen, dass sie die Handschuhe wieder überziehen konnte.
Sorgfältig breitete sie nach ein paar Minuten die Stoffhandschuhe in der Sonne aus, vorsichtig tauchte sie ihre Hände erneut in das Wasser. Sie versuchte das Blut von ihren Fingern waschen, unterließ es dann aber, da es die Wunden nur wieder aufreißen würde. Bis sie jemand rief würden ihre Finger taub genug sein um ihrer Arbeit wieder nachzugehen.
Jemand fasste sie an der Schulter, aus ihren Gedanken gerissen schreckte Caitriona hoch und zog die Finger auf dem Wasser. Doch in dem Moment wo sie aufspringen wollte, drückte sie eben jene Hand mit sanfter Gewalt zurück auf den Boden.
„Ganz ruhig, Melady.“ Der klang der Stimme war sanft und beschwichtigend, als spräche derjenige zu einem verschreckten Tieres. Sie wagte es nicht auf zu sehen, doch sie wusste wer dort zu ihre sprach. „Wenn es Euch hilft die Schmerzen zu lindern, taucht die Hände wieder ins Wasser.“
Seine Stimme hatte keinen befehlenden Unterton und er mühte sich redlich seine Wut nicht hochkommen zu lassen, doch Cait bemerket die leichte Vibration in seiner Stimme. Der Prinz schien immer noch verärgert zu sein, sie tat lieber was er ihr vorgeschlagen hatte, vielleicht milderte es seine schlechte Stimmung. Zudem war die Kühle auch angenehm, sie verströmte nach und nach ein wunderbar taubes Gefühl.
Lange Zeit fiel kein Wort zwischen ihnen, es viel ihr schwer die Zeit einzuschätzen, die sie nun an diesem Rinnsal weilten. Sie hörte Schritte hinter sich und wischte die feuchten Hände vorsichtig an ihrem Reitmantel ab, ehe sie zu ihren Handschuhen griff. Es war sicherlich das Zeichen zum Aufbruch. Sie wollte sich die Handschuhe wieder überziehen, als die Hand des Prinzen sich um ihr Handgelenk schloss.
„Wir reiten noch nicht zurück“, erklärte er betont ruhig.
Cait errötete, waren ihr Gedanken so offensichtlich gewesen? Beschämt steckte sie die Handschuhe fort und ergriff vorsichtig die Hand die er ihr anbot, um ihr auf zu helfen. Wenn sie noch nicht zurück reiten würden, was hatten sie dann vor. Der Tag war schon zu weit fortgeschritten um noch viel weiter zu reiten, vielleicht wollten sie eines der Dörfer besuchen, die auf dem Weg zurück lagen.
Sie wandte ihren Blick dem Prinzen zu, der scheinbar angestrengt versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Obwohl sie ihn nicht kannte missglückte dieser Versuch, was Cait ein Lächeln entlockte. Ehe er es allerdings bemerken konnte wandte sie ihren Augen wieder von ihm ab, es war bestimmt unhöflich ihn so anzusehen.
Es dauerte einige Sekunden ehe ihr bewusst wurde, dass niemand um sie herum aufzusteigen schien und der Prinz brauchte sie auch nicht zu ihrem Pferd zurück, sondern führte sie geradewegs zu einem seiner Männer der ein ernstes Gesicht an den Tag legte.
„Ich hoffe du kannst etwas ausrichten“, sagte der Prinz an den Soldaten gewandt und legte Caitrionas wunde Finger in dessen Hände. Es behagte ihr nicht, aber sie schwieg, wenn es sein Wunsch war, würde sie diesem entsprechen.
Der Soldat antwortete nicht und betrachtete stumm ihre Finger von denen die Taubheit langsam wieder abfiel, ein dumpfes Pochen machte sich in den Gliedern breit und sie hatte das Gefühl, als wären sie mindestens auf das dreifache angeschwollen.
„Es wäre möglich es zu verbinden, Eure Hoheit, aber für eine Linderung bedarf es der Hand eines Heilers“, sagte er nun respektvoll an Prinz Edward gewandt und gab Caits Finger wieder frei. Sie wusste nicht so recht, was sie mit diesen nun anfangen sollte. Ihre erste Reaktion, war diese vor den Blicken zu verbergen. Doch worin lag der Sinn etwas zu verbergen, was bekannt war. Trotzdem verbarg sie ihre Hände unter ihrem Umhang, welches ihr einen Seitenblick des Prinzen einbrachte.
War er verärgert über diese Handlung? Oder missfiel sie ihm einfach nur? Sie war sich nicht sicher, denn er hatte sich wieder meisterlich unter Kontrolle und seinen Zügen war nichts zu entnehmen.
„Dann lasst uns aufsteigen und ins nächste Dorf reiten, dort wird es sicherlich einen Heiler für die Lady geben“, befahl er in einem Ton, der einen Widerspruch von jeder Seite zwecklos machte.
„Erlaubt, Eure Hoheit, dass ich voraus reite und die notwendigen Vorkehrungen treffe“, setzte eine bekannte Stimme nach. Es war Lucas, der mit einem knappen Kopfnicken entlassen wurde.
*
Abschnitt 15
Der Ritt ins Dorf erwies sich für Caitriona als mühsam, es fiel ihr zunehmend schwerer die Zügel zuhalten, da ihre Finger nicht nur unbeweglich von den Schwellungen waren sondern ohne Handschuhe auch steif vor Kälte wurden. Doch im Damensattel war sie auf diese Zügelkommandos angewiesen, andere Anweisungen bekam das Pferd nicht von ihr. Schließlich konnte Edward es nicht mehr mit ansehen und bat höflichst darum, ihr Pferd führen zu dürfen und schaffte es sogar so in Worte zu fassen, dass sie sich nicht wie der letzte Narr vorkam, dieses Angebot annehmen zu müssen.
Die Straßen des Dorfes waren wie zu erwarten von Menschen gesäumt, vor allen von Kindern, die die Männer des Prinzen in ihren prachtvollen Gewändern mit offenen Mündern bestaunten. Lucas erwartete sie bereits und ritt voran, bis er sein Pferd vor einer schäbigen Hütte am Ende des Dorfes zügelte. Edwards Miene zufolge war er von dieser Wahl alles andere als begeistert, doch Lucas nickte einmal nachdrücklich.
Etwas unsicher sah Cait zu dem Prinzen hinüber, er würde darüber sicherlich noch reden wollen, doch vorerst schien er sich damit zufrieden zu geben und half ihr aus dem Sattel. Sachte ergriff er ihren Arm und führte sie zu der Hütte, die er für ein Nest von Ungeziefer zu halten schien. Doch sie wusste es besser, wenn Lucas wirklich einen Heilkundigen gefunden hatte, dann würde in dieser Hütte weniger Ungeziefer zu finden sein, als in dem Haus des reichsten Bürgers. Sie lauschte dem leisen Klopfen an der Tür, es dauerte eine ganze Weile und der Mann hatte schon erneut die Hand gehoben, als diese sich öffnete.
„Kommt herein ... kommt herein“, sprach jemand in einem knarzigen Ton der von hohem Alter sprach, eine Stimme die Mann weder Mann noch Frau eindeutig zuordnen konnte. Lucas schritt voran in den dunklen Raum, eine Hand am Schwertgriff ruhend, der Edward folgte ihm mit Caitriona an seiner Seite, wobei er sich so hielt, dass er ihr mit seinem eigenen Körper Deckung geben konnte, falls es sich um einen Hinterhalt handeln sollte. Doch nichts dergleichen erwartete sie.
Die Hütte schien aus zwei Räumen zu bestehen einem Wohnbereich und einem Schlafraum, und mitten in dem großen Raum mit gestampften Lehmboden und dem flackernden Küchenfeuer stand eine uralte Frau. Zumindest kam sie Cait auf dem ersten Blick uralt vor, erst bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen, dass sie nicht uralt sondern einfach nur alt war, in schäbige Lumpen gekleidet, aber sauber, als wäre sie grad einem Bad entsprungen. Vor allem schien sie vor keinem der Männer auch nur einen Deut von Respekt zu haben, sie winkte Cait näher an sich heran, doch diese zögerte.
„Komm schon her, Mädchen, ich beiße nicht und ich hab weder Läuse noch Flöhe“, erklärte sie mit ihrer rauen Stimme die den Eindruck von einer uralten Person noch verstärkte. „Zeig mir deine Hände, Kind, darum bist du doch hier.“
Caitriona zögerte noch ein weiteres Mal, doch dann trat sie auf die Frau zu und zeigte ihr ihre Hände. Diese gab einen verächtlichen Laut von sich und etwas das nach ‚jämmerliche Feiglinge’ klang von sich. Ihre eigenen Finger waren kühl und weich, ganz vorsichtig strich sie über die verletzten Glieder und schüttelte dann den Kopf.
„Was ist Alte?“, fragte Edward in einem drängenden Tonfall, als hätte er in dieses Kopf schütteln etwas Schlechtes hineingedeutet. Doch diese winkte ab und tätschelte Caits Arm beruhigend, sie ignorierte den Prinzen vollkommen, was dieser nicht gewohnt zu sein schien. Aber er nahm es hin, was Cait sehr verwirrte.
„Keine schöne Sache, mein Kind, aber ich habe eine kühlende Salbe für dich, sie wird dir helfen. Die nächsten Tage werden dennoch schmerzhafte werden“, setze die Alte hinzu, als wollte sie Caitriona zu viele Hoffnungen austreiben, doch diese lächelte nur sachte.
„Ich weiß, Mütterchen, alles braucht seine Zeit“, erwidert sie leise, doch in der Stille der Hütte war es nicht zu überhören.
„Armes Kind“, murmelte die Alte plötzlich und sah ihr in die Augen. Cait hatte das Gefühl, als würde sie mehr Preis geben, als sie es mit Worten gekonnt hätte und senkte fast schon übereilt den Blick. Doch es war schon zu spät, die Alte hatte es gesehen. „Armes Kind, kommt mit nach nebenan, ich sollte dich untersuchen, ja das sollte ich. Die Herren bleiben hier.“
Die letzen Worten waren unerbittlich gewesen, dass hatten auch der Prinz und Lucas begriffen, zudem wäre es wohl mehr als anmaßen gewesen, den beiden Frauen zu folgen.
„Verschließt die Tür und ich breche sie auch“, warnte Lucas die Alte in einem Tonfall, der schon fast wie eine Drohung klang, dann wandte er sich Cait zu. „Wenn etwas ist Melady ... Ihr braucht nur schreien ...“
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Abschnitt 16
Als die Tür hinter ihr ins Schloss fiel hatte Cait fast schon das Bedürfnis wieder nach draußen zu flüchten, vor allem als sie in das gütige Gesicht der Alten sah wollte sie eigentlich nur noch fort. Nur schreien … sie musste bei den letzten Worten des Mannes Lächeln, so etwas hatte noch nie jemand zu ihr gesagt, aber weshalb sollte sie schreien?
„Keine Angst mein Kind, ich werde Euch nichts tun“, meinte die Alte und hätte wohl auch ihre Hand genommen und beruhigend darüber gestrichen, wenn diese nicht so geschunden gewesen wären. Dann trat sie um sie herum und löste die Verschnürungen von ihrem Kleid. Cait spannte sich fast schon abwehrend an, das war es sicherlich nicht was sie wollte. Doch dann ließ sie die Schultern hängen und ergab sich wie wo oft einfach in die Situation, offener Widerstand war nichts was man sie gelehrt hatte.
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Abschnitt 17
Edward ging in dem für seine Verhältnisse schon winzig anmutenden Raum auf und ab und sah immer wieder zu der Tür hin, bereit den Raum dahinter zu stürmen, wenn auch nur ein verdächtiges Geräusch dahinter zu hören wäre. Auch Lucas war angespannt, allerdings wirkte er lange nicht so aufgedreht wie der Prinz. Er stand scheinbar gelassen in der Nähe der Tür, eine Hand auf dem Knauf seines Schwertes und lauschte aufmerksam, sowohl auf Geräusche, die aus der Kammer kommen könnten, als auch auf Geräusche von draußen, wenngleich es dort gut gesichert war.
„Lucas“, begann Edward, nachdem er geschafft hatte zumindest eine ganze Weile still zu stehen. „Wenn ich abreise wirst du auf der Burg bleiben.“ Sein Blick bei seinen Worten war ernst, geradezu besorgt, aber sicher nicht um seinen Leibwächter, seinen Vertrauten. „Sag mir nur wie viele Männer du brauchen wirst und welche Ausrüstung, du wirst alles bekommen.“
Weswegen er auf der Burg bleiben sollte, das sprach der Prinz nicht aus, aber das war auch nicht notwendig. Lucas würde es wissen und der Beschluss, dass er bleiben würde stand fest, es war keine Bitte gewesen die Edward ausgesprochen hatte.
„Natürlich Eure Hoheit“, erklärte Lucas ernst und blickte wieder zu der kleinen Tür, Geräusche und leise Stimmen waren immer wieder zu hören, allerdings nichts was seine Besorgnis erregt hätte. „Überlasst mir so viele Männer wie ihr entbehren könnt und ich werde mir darüber Gedanken machen, was ich für die Aufgabe brauchen werde.“
Damit waren zu dieser Sache alle Worte gewechselt und Edward nickte zufrieden, Caitriona wäre bei Lucas in guten und vor allem sicheren Händen.
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Abschnitt 18
Es war kalt in dem Raum, wie Cait alsbald bemerken musste, als die Alte sie von ihrem dicken wollenden Reitgewand befreit hatte und sie nur noch in den Unterkleidern dastand. Normalerweise hätte sie sich nun die Arme gerieben, aber sie wollte den hellen Leinenstoff nicht mit Blut besudeln. Auch wenn ihr Vater sich sicherlich nicht ihre Unterkleider ansehen würde, würde es durchaus wieder ärger geben, wenn er es zufällig mitbekommen würde. Einige der Mägde waren wahre Tratschtanten, keine bösartigen, nein, das würde sie sicherlich nicht niemanden unterstellen, aber das änderte nichts daran, dass es ihrem Vater zu Ohren kommen könnte.
„Es ist nicht gut geheizt hier drin … jaja“, murmelte die Alte und betrachtete Cait wieder einmal, was dieser ein Seufzen entlockte. „Aber die Herren sind in der Stube, kein Ort für eine junge Lady.“
„Kein Sorge, Mütterchen, so leicht erfriere ich nicht“, beruhigte Cait sie nun, was der Alten ein fast schon hexenartiges Kichern entlockte. Dann schickte sie sich an ihr auch noch das Unterkleid zu entwenden, was ihr so gar nicht behagen wollte. Doch die Alte würde sich nicht abwimmeln lassen, wenngleich sie ihr ein Ehrenwort abringen würde nichts verlauten zu lassen. Im Endeffekt half sie ihr sogar, wenngleich es nun wirklich unangenehm wurde.
Sie spürte die Blicke der Alten auf sich, doch sie versuchte sie zu ignorieren, sie versuchte ihren Blick auf irgendetwas zu heften, was sich als schwierig herausstellte, da die Wände kahl waren und auf dem Boden nicht mehr als die armselige Lagerstatt der Alten war. Schließlich sah sie doch zu der Frau, die wie eine Litanei vor sich hinmurmelte ‚Armes Kind’. Doch bemitleidet zu werden war das letzte was Caitriona wollte, es half ihr nicht weiter, manchmal war Ignoranz doch das bessere los. Die Alte legte ihre eine Decke um die Schultern und lächelte ihr aufmunternd zu.
„Ich werde ein paar Salben holen, dann wird es alles schnell wieder gut“, erklärte sie freundlich, wenngleich sie sicherlich keinen Widerspruch hören wollte. Doch in diesem Fall dachte Cait nicht daran sich zu fügen, sie fasste die Alte am Arm und schüttelte den Kopf.
„Nein, nein, Mütterchen, es wird sie nur verärgern, wenn sie es herausfinden und das ist es nicht wert. Es heilt gut, so wie es das immer tut. Wenn Ihr Euch besser fühlt, gebt mir etwas mit, doch es ist nicht so, dass ich es dringend benötigen würde.“
„Sie sorgen sich nur um Euch“, meinte die Alte geduldig und sah sie an. „Haben sie nicht ein Recht alles zu erfahren.“
Caitriona strafte sich leicht, so dass sie mehr wie eine Lady wirkte wie jemals zuvor.
„Sie mögen sich sorgen, doch sie sind es nicht, die über mein Schicksal zu entscheiden haben“, erklärte sie ernst, fast schon resignierend. „Es wird nur ärger geben, ärger bei dem ich jetzt schon weiß, bei wem er enden wird. Sie mögen sich jetzt sorgen, sich jetzt kümmern wollen, aber sie werden nicht bleiben, Mütterchen. Lasst es sein …“
Ihre letzten Worte waren geradezu eindringlich gewesen und Cait spürte das sie gewonnen hatte, dass die alte Frau nachgab. Ein leises Seufzen entrang sich dieser und sie sah Cait an, in ihrem Augen war wieder das Mitgefühl und noch etwas Sorge … Doch Cait lächelte nur beruhigend und ließ die Decke zu Boden gleiten, dann nahm sie ihr Unterkleid wieder auf.
Ihr Vater würde so schon erbost über den langen Ausritt sein, sie wollte nicht noch zusätzlich Öl in die Flammen gießen. Schließlich konnte sie nicht wissen, welchen Entschluss Edward in der Zwischenzeit gefasst hatte, ebenso wenig wie die Alte, und so half sie ihr wieder in die Kleider, wenngleich es ihr ganz und gar nicht wohl dabei war, die junge Frau einfach so ziehen zu lassen.
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Abschnitt 19
Als die beiden Frauen den Raum wieder betraten blickten die Männer fragend auf, der Prinz schien im Raum herumgewandert zu sein, während sein Wächter sich auf halben Wege zwischen den beiden Türen positioniert hatte, so dass er im Zweifel an allen Fronten schnell eingreifen konnte. Die unausgesprochene Frage stand im Raum, doch Cait ließ es nicht soweit kommen und lächelte den Prinz entwaffnend an, der dieses als Zeichen sah, dass alles in Ordnung war. Nur Lucas Haltung änderte sich nicht, denn er hatte die Alte beobachtet und nicht die junge Frau. Doch er schwieg, sie hatte bestimmt ihre Gründe kein Wort vor Edward verlauten zu lassen, doch das letzte Wort in dieser Sache wäre noch nicht gesprochen.
Die Alte ging zu ihren Kräutern und Tiegelchen und reichte Lucas eines mit den Worten ‚für die Hände’, sie zögerte einen langen Augenblick, ehe sie ihm schweigend noch ein zweites reichte.
„Eure Hoheit, Melady, wenn es in Eurem Sinne ist, werde ich mich um die Bezahlung kümmern“, erklärte Lucas ohne sich von der Stelle zu rühren. Edward nickte ohne Argwohn, nur Cait warf ihm einen irritierten Blick zu, der fast schon etwas misstrauisches hatte, besonders als dieser ihr auch noch beruhigend zulächelte.
Als der Prinz seine Dame nach draußen geführt hatte, wandte sich der Wächter der Alten zu, denn bevor er sich um die Bezahlung kümmern wollte, gäbe es noch die ein oder andere Sache zu klären. Doch dies erwies sich als schwieriger, als er angenommen hatte, dass das alte Mütterchen alles andere als redselig war. Die Geheimnisse ihrer Kunden waren bei ihr sicher, auch wenn ihr die Entscheidungen nicht immer gefielen.
„Ich werde ihre Geheimnisse hüten“, tat die Alte fast schon herrisch kund, was angesichts ihres Standes gegenüber Lucas schon fast eine Strafe nach sich ziehen musste. Doch sie wusste, dass ihr Alter sie vor so vielem bewahrte und es gab kein schlimmeres Verbrechen in ihrer Zunft als das Vertrauen zu verraten. „Fragt sie selbst, wenn Ihr etwas zu erfahren trachtet.“
Ein leises Seufzen war zu hören, ehe er ihr antwortete. Er wirkte nicht verärgert und war es auch nicht einmal, da er solche Wesenszüge normalerweise hoch achtete. Doch in diesem Falle war es für seine Sache mehr als hinderlich.
„Sie wird nicht antworten, und das weißt du, ebenso wie ich“, murrte er leise und sah zur Tür. Er konnte sie nicht zur Rede stellen, wenn er verhindern wollte, dass der Prinz von der Sache erfahren sollte. Es würde mehr Ärger verursachen als es für sie gut war. „Ich gebe dir mein Wort, dass es niemand von mir erfahren wird, selbst der Prinz nicht“, sagte er schließlich und sah sie eindringlich an. „Doch ich muss wissen wovor ich sie schützen muss, wenn ich meine Aufgabe ehrenhaft erfüllen will.“
„Aber Ihr werdet nicht bleiben“, meinte die Alte mit einem traurigen Lächeln, wobei sie Caitrionas Worte wiederholte, denn davon war diese überzeugt gewesen. Lucas stutzte nun allerdings einen Moment lang ehe es ihm dämmerte. Es war weniger die Starrsinnigkeit der Alten die ihn scheitern ließ, sondern die Überzeugung, dass sie die Lady damit schützen konnte.
„Nein, ich werde nicht gehen“, korrigierte er grimmig, wenn seine Anweisung nicht schon so gelautet hätten, hätte er spätestens nun dafür sorge getragen. „Doch sie weiß es noch nicht, Prinz Edward wollte es ihr erst mitteilen.“
Das Misstrauen in den Augen der Heilerin ließ ihn schmunzeln. Sie war wohl der Meinung, er wollte sich nun einer Finte bedienen um an die Informationen zu kommen. Alte Närrin. Doch zu seinem Erstaunen nickte sie schließlich, nachdem sie ihm sein Ehrenwort abgenommen hatte, ihr Geheimnis zu bewahren. Und während die Alte erzählte begann es draußen langsam zu dämmern.
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Abschnitt 20
Mit einem leichten Schaudern sah Cait zum Himmel auf, es war spät geworden, viel zu spät um es genau zu nehmen. Sie hätte schon längst wieder zuhause sein sollen. Doch wer war sie schon, dass sie sich beschweren würde. Sie konnte dem Prinzen unmöglich sagen, dass sie schon lange zuhause hätte sein sollen, dass ihr Vater vor Wut toben würde. Er war der Prince of Wales und wenn er es für eine angemessene Länge eines Ausfluges hielt, dann konnte ihm niemand widersprechen, nicht einmal ihr Vater. Doch trotz allem würde er sie zur Rechenschaft ziehen, denn es gab zwei Dinge die sie nicht zu tun hatte, den Prinzen zu verärgern und ihren Vater verärgern, nur schlossen sich diese Dinge voneinander aus. Irgendeinen musste sie einfach wütend machen und da sie dem Prinzen nicht widersprechen durfte, würde es ärger mit ihrem Vater geben, was wohl schlimmer war, als der Ärger mit dem Prinzen.
Edward hingegen missverstand ihr Schaudern und sah ebenfalls kurz zum Himmel hoch. Dann legte er ihr mit einem freundlichen Lächeln seinen Umhang um die Schultern.
„Die Sonne geht unter, es wird frisch nicht wahr“, meinte er in einem versucht plaudernden Tonfall, der ein wenig aufgesetzt klang. Alles was sie betraf, hatte seit dem Besuch bei der Alten einen besorgten Unterton erhalten, den sie nicht zu deuten wusste. Als Lucas endlich aus der Hütte kam, war die Sonne schon fast am Horizont verschwunden.
„Wir sollten uns ein Zimmer in dem Gasthof nehmen, Hoheit“, erklärte er nun und sah zu den beiden, wobei er Cait mit einem Blick bedachte der ihr nicht behagte. Es wirkte so … wissend, ob die Alte geredet hatte? Sie hatte ihr Wort gegeben, wie konnte sie dieses nur brechen. Keine Macht der Welt würde ihr helfen können, sobald die Gruppe abgereist war.
Fast schon befürchtete sie nun, dass Lucas etwas über die Dinge, die er erfahren hatte, verlauten ließ, doch es blieb bei dem Blick. Wollte er den Prinzen etwa alleine sprechen? Wenn er sie verraten wollte, dann konnte er es auch hier tun und nicht heimlich hinter ihrem Rücken, so konnte sie zumindest noch beschwichtigend eingreifen, dass es nicht allzu schlimm für sie selbst werden würde.
„Ich bin mir nicht so sicher, ihr Vater wird die Lady von Kent sicherlich zuhause zurückerwarten“, erwiderte Edward, doch es klang nicht so, als würde ihn diese Erwartungshaltung auch nur im Geringsten kümmern. Sollte er doch erwarten, was er wollte, als ob er solche Dinge ungesühnt ließ. „Allerdings ist es zu gefährlich mit einer Lady durch die Dunkelheit zu reisen. Schicke einen Boten zum Duke of Kent, dass er uns morgen zur Mittagsstunde zurückerwarten kann.“
„Ich würde lieber nach hause reiten“, warf Caitriona nun zaghaft ein und sah den Prinzen fast schon flehend an. Ihr Vater würde toben, wenn sie erst in der Nacht nach hause käme, aber wie er reagieren würde, wenn sie erst am nächsten Tag zurückkommen würde, dass wollte sie einfach nicht erleben. Er würde es sich merken, dass wusste sie. Er würde seine Wut solange bewahren, bis die Gäste abgereist waren oder ein geeigneter Moment gekommen war. Das wollte sie um nichts in der Welt riskieren.
„Nein, Melady“, widersprach Lucas ihr ruhig, fast schon beruhigend, dabei warf er dem Prinzen einen mahnenden Blick zu, der schon etwas dazu sagen wollte. Edward war manches Mal ein wenig unbedarft, vielleicht würde er sogar zustimmen, wenn die junge Frau nur lang genug bettelte. Das konnte er nicht zulassen, Prinz Edward hatte ihn für ihr Leben und ihre Sicherheit verantwortlich gemacht und solch ein Ritt konnte lebensgefährlich sein. Kein Soldat konnte die Sicherheit seiner Schutzbefohlenen auf einem nächtlichen Ritt garantieren. „Ihr werdet die Nacht hier verbringen und morgen nach dem Frühstück zurück reiten.“
Er betonte vor allem die Worte nach dem Frühstück, als hätte er die Befürchtung, dass sie gleich bei Tagesanbruch losstürmte. Dass es keinen Ärger mit ihrem Vater geben würde, dafür würde er schon sorgen. Nachdem was er von der Alten erfahren hatte, konnte er sich gut vorstellen wovor sie sich fürchtete, berechtigter Weise fürchtete. Doch er würde dafür Sorge tragen, dass es nicht soweit kommen würde.
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Abschnitt 21
Die Mittagstunde war schon vorüber gezogen, als sie endlich wieder die Burg erreichten. Hatte Cait zu Anfang noch rege Unterhaltungen mit dem Prinzen geführt, war sie immer stiller geworden je näher sie ihrer Heimat kamen. Die letzte halbe Stunde hatte sie schließlich nur noch geschwiegen, als wollte sie sich auf etwas unvermeidliches vorbereiten. Ihre ganze schmale Gestalt war angespannt und als sie auf den Hof ritten und sie einen Blick auf das verärgerte Gesicht ihres Vaters werfen konnte, senkte sie den ihren so rasch, wie es eben möglich war.
Er sprach kein Wort zu ihr, wohl weil im keine freundlichen über die Lippen kommen würden, da war sie sich zumindest sicher. Prinz Edward hingegen sprach zu ihm in einem freundlichen plaudernden Tonfall, als wäre auf diesem etwas verlängerten Ausflug rein gar nichts geschehen. Der Duke schien sogar ehrliche interessiert an allem zu sein, doch Cait konnte spüren, wie es hinter dieser gastfreundlichen Fassade brodelte.
Während die Männer alle abgestiegen waren, blieb sie selbst im Sattel sitzen und wartete darauf, dass sie jemand ihrer erbarmte und ihr aus dem Sattel half. In Gegenwart ihres Vaters würde es wohl keiner der Diener wagen, aber es waren zum Glück nicht nur Diener anwesend. Lucas hatte seine Zügel schon an einen seiner Männer übergeben und wollte gerade zu ihr treten, als sie eine Stimme an ihrer Seite vernahm.
„Komm, ich helfe dir.“ Sie versteifte sich im Sattel ihres Pferdes und warf einen hilfesuchenden Blick zu Lucas, wobei sie aber auch gleichzeitig leicht nickte.
„Ich danke dir, Bruder“, erwiderte sie leise und ließ sich von Duncan aus dem Sattel heben. Einen Moment lang drückte er sie so fest, als hätte er das Verlangen sie in der Mitte durchzubrechen. Sie hätte auf Lucas warten sollen, doch hätte sie es sich wirklich gewagt Duncans Angebot abzulehnen. Nicht in Gegenwart ihres Vaters und nicht wenn sie wusste, dass diese trügerische Sicherheit nicht dauerhaft war. Darum nannte man sie wohl auch trügerisch.
„Du weißt gar nicht, wie viel ärger auf dich wartet“, raunte Duncan ihr ins Ohr, während er sie einen Moment schon schmerzhaft fest an sich drückte. „Er ist mehr als wütend auf dich.“
Cait bekam keinen Ton raus und war viel zu benommen, um sich gegen seine Behandlung zu wehren, aber warum auch. Es würde nur noch mehr ärger geben, falls das noch möglich war. Dann ließ er sie er sich ebenso rasch wieder los, als Lucas an ihre Seite trat. Duncan hatte ihre Begegnung noch nicht vergessen, war sie ja noch nicht lange her.
„Melady“, meinte dieser nur und verneigte sich leicht, worauf Duncan sich zurückzog. Auf Caits dankbaren Blick hin, nickte er ihr nur mit einem leichten Lächeln auf den Zügen zu.
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