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Diese
Kurzgeschichte wurde für die Halloween Internetradio-Sendung der nicht mehr
existierend Harry Potter Fan Page Expecto-Patronum.com von mir geschrieben und
auch vertont. Die Geschichte ist aus der Sicht von Sirius Black geschrieben und spielt vor den Büchern. Alle Rechte der
Figuren liegen bei J.K. Rowling.
*
Der Verrat
Es war eine kalte und düstere Oktobernacht, der Regen
prasselte unerbittlich auf die Erde nieder, die die Wassermassen schon lange
nicht mehr aufnehmen konnte. Die Rinnsale in den Gossen wuchsen langsam zu
kleinen Flüssen an. Niemand rührte sich in den Straßen, in so einer Nacht tat
man gut daran zu hause zu bleiben. Ein einsamer Streuner huschte über die Straße, wollte in
einer schmalen Gasse Zuflucht suchen, in der er vor dem Regen vielleicht ein
wenig sicher wäre. Doch kaum hatte er sich dieser genähert, verharrte das hagere
Tier auch schon.. Die Umrisse einer Gestalt zeichneten sich in der Dunkelheit
ab, still stand sie dort, fast als würde sie gar nicht existieren. Die Nässe die
wohl schon lange durch ihre Kleider gezogen war merkte die Person gar nicht, der
Blick war starr auf das Haus gegenüber gerichtet. Schon seit Stunden stand sie dort, unerkannt, unentdeckt.
Der schwache Schimmer der Straßenlaterne erreichte die dunkle Ecke nicht und der
Mond war in einer solchen Nacht kein Feind für jene die nicht gesehen werden
wollten. Der Streuner starrte immer noch in den Schatten, ein Gift
für jede Tarnung und die Gestalt begann sich zu regen.
Sirius unterdrückte ein Seufzen als er zu dem Hund sah,
doch brachte er es nicht übers Herz das Tier davon zu scheuchen. Er sah wieder
hinüber zu dem Haus, das scheinbar dunkel und verlassen da lag. Doch der Schein
trog, er wusste aus zuverlässiger Quelle, dass hier noch heute Nacht ein Treffen
statt finden würde. Warum, weshalb ... Das hatte ihm niemand offenbaren können,
doch es schien sehr wichtig zu sein. Deatheater, Todesser, was für ein lächerlicher Name, wer
konnte schon den Tod essen ... Und trotzdem ... Sein Blick glitt unwillkürlich hoch
zu den Wolken, er hatte ein schlechtes Gefühl in der Magengrube. Irgendetwas
stimmte nicht, doch er konnte nicht ausmachen was. Es würde etwas geschehen,
noch heute Nacht. Zu still... Sirius verharrte hier schon seit Stunden, er
durfte mittlerweile kein trockenes Stück Stoff am Körper tragen. Er hatte sich
eingeredet, dass der Lohn die Mühe wert war. Aber langsam wurde er nervös. Ein
beklemmendes Gefühl beschlich ihn, wenn er noch länger hier stehen bleiben
würde, würde er noch verrückt werden. "Ach verflucht", murmelte er, alle Mühe wäre umsonst
gewesen, wenn er jetzt seine Deckung aufgab. Ein kühles, fast schon
überhebliches Lächeln schlich sich auf seine Züge. Zumindest wäre es ein Risiko, wenn ein Mensch zu dem Haus
hinüberginge. Aber hatte er das nötig?
Erneut schlich der Streuner über die Straße. Nur einem sehr
aufmerksamen Beobachter wäre aufgefallen, dass der Hund gewachsen war und
wohlgenährt wirkte. Doch wer achtete schon auf einen streunenden Hund. Langsam und vorsichtig näherte sich dieser dem düsteren
Gebäude. Das Tier wirkte ein wenig linkisch, wie es sich immer wieder umsah,
mehr die Augen als die Nase einsetzend. Doch wen immer auch das Gebäude nun auch
beherbergte, er schien es nicht für notwendig zu halten eine Wache aufzustellen. Als der Hund, der kein anderer als Sirius selbst war, das
Haus endlich erreicht hatte, drückte er sich nah an der Hauswand entlang,
einerseits um nicht zu sehr aufzufallen, andererseits aber auch um den immer
noch strömenden Regen ein wenig zu entkommen. Wollte dieser denn gar nicht mehr
aufhören? Selbst mit seinem feinen Hundegehör war nichts außer dem
Regen zu hören. Wahrscheinlich ein Isolierzauber, oder sie hatten sich in den
Keller verkrochen, denn immerhin drang auch kein Lichtschein nach draußen. Seine
einzige Hoffnung war die Hintertür, die vielleicht einen Spalt weit auf stand,
doch wem war schon soviel Glück vergönnt. Als er sie dann auch endlich gefunden hatte, fand er sie
entgegen aller Hoffnungen auch verschlossen vor. Ein kräftiges Stupsen mit der
Nase brachte ihm auch nicht den erwünschten Erfolg ein. Frustriert über den
herben Rückschlag warf sich Sirius halbherzig gegen die Tür, welche mit einem
lauten Knarren aufschwang. Erschrocken purzelte der schwarze Hund in die
ehemalige Küche, nun mit einer graubraunen Staubschicht bedeckt. Die Tür war von
der Feuchtigkeit scheinbar nur verzogen gewesen. Ärgerlich schüttelte Sirius sich das Wasser aus dem Fell,
wie es schien hatte man ihm zum Narren gehalten. Das Haus war leer und
verlassen, immer noch war kein Ton zu hören und außer seinen eigenen Spuren,
waren in der Zentimeter dicken Staubschicht nur noch die Abdrücke von Ratten und
einigen Insekten zu sehen, denen er lieber nicht begegnen wollte. Wer auch immer diese lächerlichen Informationen
zusammengetragen hatte, hier würde er nichts finden. Zumindest wäre diese
Bruchbude gut genug um wieder trocken zu werden, vielleicht ließ sich auch noch
ein einigermaßen staubfreies Plätzchen finden, an dem er sich zurückverwandeln
konnte. Missmutig trottete er den Flur entlang, es war trocken hier
drin ja, aber er hörte schon seit ein paar Minuten so ein merkwürdiges Quieken
und Schnattern, als hätte sich eine ganze Rattenhorde hier eingenistet.
Wurmschwanz hätte wohl seine helle Freude daran gehabt. Mit einem Schnauben
trottete er weiter und blieb wieder stehen. Nein, das waren keine Ratten. Außer Ratten hatten nun
sprechen gelernt.
Er schlich näher in Richtung der Geräusche und schließlich
sah er doch einen leichten Lichtschimmer der durch einen Spalt der Kellertüre
drang. Also doch keine Zauber, bloß der Keller. Sirius hatte fast schon
befürchtet das er vom Orden doch keinen richtigen Auftrag zugeschustert bekommen
hatte, sondern man ihm einfach beschäftigt halten wollte. Es gab einen Verräter
nur wer. Wehmütig dachte Sirius an Remus, ob er es war? Er wollte es nicht
glauben, aber die Indizien sprachen gegen ihn. Wer wusste in solchen Zeiten
schon noch wer Freund und wer Feind war.
Vorsichtig versuchte er die Kellertür mit der Schnauze noch
ein Stück weiter zu öffnen. Er hoffte, dass er von hier oben genug hören würde.
Fast wünschte er sich James Tarnumhang dabei zu haben, denn ohne ihn konnte er
sich weder als Hund noch als Mensch nach unten schleichen. 'Bitte, Bitte, redet laut genug', flehte er stumm und schob
seinen Kopf durch den Türspalt. Von hier oben konnte er nicht sehen, was dort
unten vor sich ging, aber immerhin konnte er schon die Stimmen einigermaßen klar
vernehmen. "Warum sind wir eigentlich hier?", vernahm er eine scharfe
Stimme, er versuchte sie einzuordnen, aber noch brennender als zu Wissen wer die
Frage gestellt hatte, war die Antwort darauf zu erfahren. "Nicht so ungeduldig", lautete die amüsierte Antwort.
"Der Meister wird seine Gründe haben." Bellatrix, seine "geliebte Cousine", ihre Stimme würde er
immer erkennen, unter Tausenden. Er hatte darauf gefasst sein müssen, sie hier
zu hören, wenn nicht sogar zu sehen. Trotzdem zog sich sein Magen noch weiter
zusammen. Hier waren nicht irgendwelche kleinen Leute versammelt, nein es war
die Elite, wie ihm schien. Etwas großes würde geschehen, etwas ... Nein, er wollte
sich nicht einmal vorstellen, was es sein würde. Doch der Kloß der in seinem
Magen lag, wuchs von Minute zu Minute an, je länger er ihnen zuhörte. Nichts als leeres Geschwätz, dummes Zeug, aber sie waren
hier, an diesem Ort. Es würde noch etwas geschehen. "Bald wird es so weit
sein." Sirius schrak regelrecht zusammen. Diese Stimme ... er
kannte sie ... er kannte sie zu gut. Ihm wurde kalt und heiß zu gleich. Alles
schien sich zu drehen und er machte einen Satz von der Tür weg. Nein, nein.. das
konnte, das durfte nicht sein. "Was war das?", hörte er jemanden rufen. Schritte eilten
die Treppe hinauf. In heilloser Flucht rannte der schwarze Hund aus dem Haus,
kaum wissend wohin ihn seine Füße nun trugen. Doch die Stimme in seinem Kopf
wollte nicht verstummen ... "Bald ... bald wird es soweit sein." Die Stimme von
demjenigen, dem er geglaubt hat vertrauen zu können. Demjenigen den er durch
seine Überredungskünste zum Geheimniswahrer gemacht hatte. Es war seine Stimme
gewesen ... er hatte Peters Stimme gehört.
Keuchend blieb Sirius an eine Hauswand gelehnt stehen,
mittlerweile wieder als Mensch, doch genauso verdreckt und erschöpft. Er wusste
gar nicht wie lange und wie weit er gerannt war. Seine Glieder, seine Gedanken
schienen wie in Watte gepackt zu sein, nur langsam sickerte es in seinen
Verstand was er da eigentlich gehört hatte, oder besser von wem und wo. Ein eiskalter Schauder rann ihm den Rücken runter, als ihm
die Bedeutung in den Sinn kam. Wenn Peter der Geheimniswahrer von James und Lily
mitten in einer Gruppe von Todessern saß, dann ... "James ... Lily", keuchte er und rannte zu seiner Maschine,
die keine 10 Meter von ihm entfernt stand. Instinktiv war er hierher
zurückgerannt.
Er wusste nicht wie er hierher gekommen war, er konnte sich
an keine Einzelheit des Fluges mehr erinnern, zu groß war die Sorge um seine
Freunde, die mittlerweile schon mehr einer Panik glich. Seine Hände krampften
sich um das Lenkrad seines Motorrades als er zur Landung ansetzte. Da war es,
das Haus von James und Lily Potter. Es wirkte so friedlich von außen und doch ...
'Bitte lass mich träumen', flehte Sirius stumm. Er würgte
fast noch den Motor ab ehe er auf den Boden landete und sprang wie von einer
Tarantel gestochen ab. Sein Zauberstab rutschte ihm fast aus den Schweiß nassen
Händen, als er zum Haus rannte. Vielleicht war er noch rechtzeitig, vielleicht war er nicht
zu spät und es konnte noch einmal alles zum Guten gewendet werden. Je näher er dem Haus kam, desto langsamer und verzagter
wurden seine Schritte. Die Haustür stand weit offen und niemand war zu sehen.
Langsam, nun fast schleichend betrat Sirius das Haus, den Zauberstab fest
umklammert in der Hand. Doch auf den Anblick den er nun gewahr wurde, war er
nicht gefasst gewesen. "James ..." Seine Stimme war nur noch ein Hauch, schwach und tonlos
verließ das Wort seine Lippen. Als hätte er einen Faustschlag in die Magengrube
erhalten, sank er neben seinem toten Freund in die Knie. Er war zu spät
gekommen, er hatte versagt.
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